Brennende Barikaden und Wagenleben

 Alle Jahre wieder, kommt das Wagenkind
auf die Stadt Freiburg nieder, wo wir sind

Zieht ohne unsren Segen auf einen Platz,
Geht vielen auf die Nerven.

Oh Polizei komm still und unerkannt,
dass treu sie pruegle heraus aus unsrer Stadt.

(nach Wilhelm Hey, Markus Anschütz, modifzierter Text)

Wohnen und wie man wohnen soll und kann ist ein umstrittenes Thema in Freiburg. Zum einen ist und bleibt Freiburg eine der wenigen attraktiven und weiter wachsenden Städte in Deutschland, zum anderen führt ein Flächennutzungsplan, der auf Innenentwicklung setzt, was dazu führt, das es länger braucht bis man Bauflächen gefunden hat und ein erst in den letzten Jahren abgearbeteiteter Schmelasstau im Baudezernat, zu einer Verknappung an Wohnflächen.

Egokulturliberale

Egokulturliberale

Gleichzeitig blockiert im Gemeinderat eine Mehrheit aus CDU, FDP, Freien Wählern, den

reaktionären Teilen der SPD die Ausweisung entsprechender Flächen für experimentelles Wohnen oder solche Plätze auf städtischem Gelände. Bei den Gruenen ist man inzwischen der Ansicht, das man solche auch eher fuer Mietskasernen braucht.

Ob nun brennende Barrikaden und möglichst viel Randale ein guter Weg sind die gesselschaftliche Anerkennung herbeizuführen, ist mehr als fraglich. Aber auf Seite der Grünen und anderen progressivere Gruppen scheint es auch einen mangelnden Willen zu geben politisches Kapital darauf zu verwenden.

Zwei politische Akteuere in Freiburg stechen daneben aber auch heraus:

Der Egoliberale Nikolaus Gayling (aus republikanischen Überzeugungen, habe ich beschlossen in diesem Blog grundsätzlich auf Adelstiel zu verzichten) der sich eine kleine Leserbriefschlacht mit der „Monopolpresse“ Badische Zeitung und ihrem Chefredakteuer Hauser liefert. So hat doch der Herr Hauser einen der Philospophen bei denen Gayling gelernt hat, in der Argumentation für den Polizeieinsatz mißbraucht:

„Im Leitartikel zur Räumung des „Kommando Rhino“ im Freiburger Stadtteil Vauban bemüht BZ-Chefredakteur Thomas Hauser den aus Wien stammenden englischen Philosophen Karl Raimund Popper (ein Lehrer des der Badischen Zeitung vielfach verbunden gewesenen Ralf Dahrendorf !) als Zeuge der Berechtigung eines starken Staates, sprich der polizeilichen Räumung.
Da würde sich Popper, den ich aus einem Seminar im Soziologischen Seminar der Universität Tübingen (bei einem von meinem Lehrer Dahrendorf organisierten Streitgespräch mit Adorno)  kennen lernen durfte, im Grabe umdrehen.
Weder Popper noch Dahrendorf lassen sich für eine Politik der Einschränkung von Freiräumen oder von Minderheiten einspannen.“ Bisher wohl unveröffentlichter Leserbrief des Schlossherrn an die Badische Zeitung.Interessant ist jedoch das an konkreten Vorschlägen das FDP Mitglied Gayling wohl einiges unternommen hat um Wagenleben zu ermöglichen. Scheinbar aber von der Stadtverwaltung ausgebremst wurde.

Beitrag zur Kulturhauptstadtbewerung oder noch nicht brennende Barrikade?

Beitrag zur Kulturhauptstadtbewerung oder noch nicht brennende Barrikade?

Nur noch peinlich ist aber inzwischen das Auftreten des GAF Stadtrats Coineach McCabe in Funk und Pressemitteilung. Anstelle sich um die Aufklärung von Vorwürfen gegen die Polizei zu bemühen beim Räumgseinsatz sei mit unnötiger Härte vorgegenagen worden („Chemische Waffen!“), ist das wichtigste Thema wohl: „Angesprochen auf
die mitgeführte Brechstange erklärte ein beteiligter Beamter, dass er
diesen Gegenstand nicht benötige, um „Menschen aufzubrechen“, dafür habe
er einen Schlagstock“ (Pressemitteilung der GAF vom 4.8.2011, auch bei Radio Dreyeckland). Vulgo: Der wahre Skandal ist das Conny bei der Räumung von unfreundlichen oder unverschämten Polizisten angemacht wurde.

Und auch immer der NIMBY Faktor, der guten Bürger unsrer Stadt: Jürgen Lipinsky, Freiburg: „Herr NvG will nun die Wiesen „Sieben Jauchert“ in FR-Kappel den Wagenb .zur Verf. stellen. Hoffentlich wird nie was daraus! Soll er sie doch in seinen eigenen Schlosspark in FR-Ebnet einziehen lassen, das wäre ein soziales Werk. Die B 31 ist aus Ebnet weg, den Lärm haben wir nun in Littenweiler, Neuhäuser und Kappel. Und nun noch die Wagenburgen? Nein Danke. Die kann er in Ebnet aufnehmen. Die Bürger werden es ihm sicher danken!“ (Wohl Leserbrief an die BZ)

Aber wer will Dieter als Vermieter?

Für mich bleibt die Tirade von Herrn Bergamelli in der Hauptausschussitzung Ende 2005 unvergessen, in der er Ankündigte alles zu unternehmen, damit ja keine Wagenburg nach Mooswald kommen wird.

Pressemitteilung der Jungen Union, Freiburg, den 21. Dezember 2005

Pressemitteilung der Jungen Union, Freiburg, den 21. Dezember 2005

Während also ein Teil der Stadt die Leute gerne selbst wegknüppeln würde, sypathisiert der andere mit ihm und sieht sie als unterdrückte Minderheit der man helfen sollte. Der Haß gegen diese Gruppe, nimmt dabei nach meiner Meinung, weniger in der konkreten Störung die durch Wagenburgen ausgehen, wie etwa Lärm, Dreck oder Demonstrationen, sondern in der symbolischen Störung unsres Zusammenlebens, in der Vorleben eines anderen Gemeinschaftsmodells. Oder vielleicht viel eher in der Projektion, denen ein Großteil der Erregtem ihm zumisst: einem bewußt gewählten Leben am Rande unserer Gessellschaft, das sich nicht vollständig in die Kreisläufe aus Konsum und Produktivittät einbinden läßt.

Gerade aber darum sollten wir nicht diskutieren, vielleicht sind die Leute die in den Wagenburgen wohnen, nicht die Leute neben denen wir wohnen wollen. Vielleicht weil sie sich nicht so oft waschen – oder zumindest so aussehen. Vielleicht wollen wir nicht vorgeführt bekommen, das man anders leben kann? Als „man“ leben soll.

Aber gerade das muß und kann unsere Gesselschaft aushalten, es ist dieses Vorleben, das uns zwingt unsere eigenes Leben zu hinterfragen und zu rechtfertigen.

Vor diesem Hintergrund sollten wir aber nun die Diskussion teilen: Wagenburgen im allgemeinen und Kommando Rhino, sowie die seine Freunde, die die Gelegenheit für Randale genutzt haben.

Vielleicht braucht es einfach mal von Zeit zu Zeit in Freiburg und in jeder Gessellschaft etwas Randale, etwa um darauf aufmerksam zu machen, das es Leute gibt die sich augeschlossen fühlen. Oder aber auch einfach mal um seine geschlechtliches Leben und seine Männlichkeit zu reproduzieren.

Während dieses aber umgeht, stirbt Politik. Hannah Arendt versucht uns zu zeigen das Politik und Gewalt zwei miteinander verbundene aber nicht das gleiche Phänomän sind, so stirbt Politik, also die Spähre in der wir diskutieren und gemeinsam Handeln können, wenn Gewalt herrscht.

Aber wie soll man mit Wagenburgen umgehen? Vorschläge mache ich auf diesem Blog in den kommendne Tagen.

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