„Wir schaffen das!” Und “Wir schaffen das nicht!” – Anmerkungen zu zwei Sätzen

„Wir schaffen das!” Und “Wir schaffen das nicht!”

Beides sind im Grunde schon auf sprachlichem völlig Niveau unklare Sätze.
Obwohl jedem aufgrund des Kontext klar ist, das es sich bei beiden um die Flüchtlingsproblematik dreht, ist es nicht klar was es genau bedeutet.
Weder hat Frau Merkel klar gemacht, was es bedeuten würde, wenn wir “es schaffen”: Versorgung der geflüchteten mit den zum überleben notwendigen Dienstleistungen und Gütern (Essen, Trinken, Kleider, Unterkunft, alles auf Mindestniveau) oder geht es dabei um ein wesentlich ambitioniertes Ziel: vollständige Integration oder sogar Inklusion der Geflüchteten in unsere Gesellschaft, daher Zugang zum Arbeitsmarkt, Deutsch auf Niveau mindestens A3 Europäischer Referenzrahmen, Schule und Ausbildung für Kinder und möglicherweise am Ende Staatsbürgerschaft?

Im gleichen Rahmen bewegt sich die Frage, was bedeutet wenn wir “es nicht schaffen”: bedeutet es das wir unseren – vielleicht zu hoch – gesteckten Ansprüchen nicht gerecht werden? Das wir vielleicht Ansprüche selbst schaffen und diese dann enttäuschen?
Oder geht es dabei darum das bald das öffentliche Leben, Schulsystem, grundlegende Dienstleistung, Sicherheit und Ordnung und die Wirtschaft (möglicherweise betrachtet als Subsyteme im Sinne Luhmans) nicht mehr funktionieren, bzw. ihre Aufgaben nicht erfüllen (können)? Das sich also Deutschland in einen “failed State” verwandelt?

Nun für den letzten Fragenkomplex: das sehe ich nicht.

Nach meinem Eindruck wird dies Flüchtlingsfrage mit viel Aufregung diskutiert, aber ein Großteil der Deutschen ist in ihrem täglichen Leben nicht davon betroffen: Die Schulen funktionieren wie zuvor, die Züge sind immer noch so pünktlich wie sie es waren, es scheint eher nicht mehr Kriminalität zu geben, Strom, Gas, Wasser kommt aus den Leitungen. Die Preisfindung an sämtlichen Märkten funktioniert wie vorher, vielleicht mit Ausnahme des Wohnungsmarktes in Ballungszentren. Wobei der schon vorher gestört war.

Das beharren auf beiden Sätzen und deren ständige Wiederholung hilft vielleicht nicht weiter. Anstelle sich beides an den Kopf zu werfen, wäre es vielleicht einfacher sich abzuregen und konkret zu überlegen was wir tun können. Und vielleicht einfach auch zu warten, bis die zahlreichen Maßnahmen die jetzt Bund, Länder, Gemeinden und die Zivilgesselschaft ergreifen auch wirken. Auch das geht nicht über Nacht.

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