ArTik im Vorderhaus

Wenn man lange weg war, dann gewinnt man zu den Dingen in Freiburg einen gewissen Abstand. Dieser Abstand ist ganz schön wenn man wieder zurück kommt und es einem erlaubt die Dinge daheim mit anderen Augen zu sehen.

Also ging ich zur ArTik Podi und hörte mir an, was da so gesprochen wurde. In der kurzen Zusammenfassung kann ich sagen: Alle auf dem Podium wurden ihren Rollen gerecht. So ganz nach Goffmann.

Leider waren wichtige Leute eben nicht auf dem Podium: Eigentlich hätte die CDU ihre „junge, urbane, intelligente, Jugendpolitik“ – Darstellerin schicken sollen und die Grünen ihren „Ökozunsel mit Vollbarth aus dem Vauban“ – Darsteller. Denn die hätten zu dem Thema offensiv und aus Kenntnis der Zusammenhänge argumentiert. Leider waren die geforderten Darsteller nicht verfügbar und so mußte man sich mit der Ersatzbesetzung zufrieden geben: Dem gut frisierten Jungunioisten der gerade auf dem Weg zu einer Party in einem Verbindungshaus ist war und dem einem grünen Altstadtrat, aus der Kulturszene.

So begann das ganz erstmal mit einer intensiven Exegese einer Freie Wähler Pressemitteilung. Der Moderatorendarsteller kam ja vom Caritas und da exegiert man wahrscheinlich dann mal Bibel, päpstliche Schreiben und halt auch Pressemitteilungen. Nun hätte man auch die ganz trefflich mit der Anke Dallmann, besetzte Rolle der Freie Wähler Stadträtin, befragen können was die Pressemitteilung denn nun genau bedeutet. Hat man auch, aber vorher lieber ein wenig Exegese.

Aber lange eine Pressemitteilung zu exegieren hat ja auch was. Bringt einen nicht wirklich weiter. Aber irgendwie weiter zu kommen und das ArTik zu retten, nun das kann man machen oder vorgeben oder aber auch das ganze schön Parteipolitisch auzuschlachten.

Damit kommen wir zur Darstellerin der engagierten SPD Jungstadträtin. Für die ist es mehr oder weniger ganz klar: Die Verwaltung will ArTik kaputt machen.
Der Stadtrat Darsteller von Junges Freiburg beilte sch auch gleich hinzuzufügen: ArTik sei ja erst aus der Unterführung rausgelockt worden (von der Verwaltung) und mit falschen Versprechen ins ADAC Gebäude gelockt und soll da nun auch raus um letztlich die gesammte Innenstadt zu gentrifizieren.

Was nun aus der Historie nicht ganz so meine Empfindung ist: Zunächst ging mal JugendDenkmal nachdem es sich in Z umbennant hatte, pleite. Das lang auch daran, dass es aus der Bauzeit zwei Rechnunen über 42.000 Euro gab. Davon bezahlte aber der Verrein nur eine. Und auch sonst war man betriebswirtschaftlich nicht so erfolgreich. Man könnte der Geschichte noch mehr hinzufügen, aber es geht ja um die Diskussion. Dann stand die Unterführung leer, es bildeten sich mehrere Gruppen die Betriebskonzepte vorlegten und dann bekam der ArTik Verein den Zuschlag. Der Vertrag war aber stets begrenzt bis zum Umbau des Rotteckrings… Wußten auch alle. Man wußte ja auch nicht wie sich der ArTik Verein entwickeln würde. Ob die nicht vielleicht auch pleite machen…

Dann war absehbar, dass es ArTik geben würde aber die Unterführung nicht mehr. Die Stadtverwaltung verbreitete, dass sie auf der Suche sei. Aber leider ist das mit dem Finden nicht so leicht. Kurz vor dem Ende des Mietvertrages fand man dann eine Imobilie die geignet erschien. Leider war sie es dann zwei Tage später nicht mehr. Wahrscheinlich Verwaltungsversagen oder Pennerei in der Verwaltung, kennt man ja, wäre nicht das erste mal und es war ja nicht so dass die Verwaltung nicht auch mit so Flüchtlingen beschäftigt war…

Das wäre dann die Ausgangslage. Nun ist es so dass es einem Teil der Leute im Gemeinderat egal ist wieviel der Umbau des ADAC Gebäudes kostet – scheinbar wären für einen sinnvollen Umbau bis zu 900.000 fällig. Wenn man dann die 108.000 Mietkosten dazurechnet kämen auf die Stadtverwaltung in etwa 10 Jahren so um 1 Mio kosten zu. Vor dem Hintergrund könnte man ja auch eine andere sinnvolle Lösung finden. Dumm nur das am Abend keiner da war der diesen Vorschlag hätte sinnvoll vorstellen können.

So wurden sie auch auseinandergenommen. Intelligenterweise ist der Vorschlag bzw. die Pressemitteilung mit diesem auch nicht auf deren Website zu finden.

Jetzt der Vorschlag sicher auch Nachteile: Die angedachte Fläche ist als Parkfläche zoniert, gehört Unmüsig und der Bürgerverein ist dagen „Keine neuen Gebäude im Stühlinger“, viel dramatischer ist aber, dass man nicht weiß was ArTik in der Zwischenzeit machen soll. In teuren Büroräumen zu sitzen, die man nicht für Jugendkulturarbeit nutzen kann, ist ja nicht der Zweck. Übrigens scheint auch die Stadtverwaltung den Mietkostenzuschuss gestrichen zu haben.

Ja und dann war da noch die ältere Gouvernante, welche die SPD die Rolle der Fraktionsvorsitzenden spielen lässt. Offensichtlich sind Jugendkulturzentren, die personell eng mit den Jusos verwoben sind, ihr inzwischen ein großes Anliegen. Sie schient auch schon Details des nächsen Doppelhaushaltes zu kenne, der quasi eine Katastrophe werde. Mit großer Kreditaufnahme um alle geplanten Sanierungen durchführen zu können, da sein dann kein Geld mehr für einen Neubau drin. Außerdem sei das ganze ja eh eine Verzögerungstaktik:

In der Zwischenzeit würde die Verwaltung dann Asbest oder so findne und auch das ADAC Gebäude wäre weg.

Ja dann war da noch der Mann, der die Bürger der Innenstadt darstellt und gleich eine vergiftete Einladung aussprach. Man wolle schon ArTik da haben, aber die Bewohner*innen der Innenstadt seien halt so belasttet und deshalb würden ja auch alle wegziehen. (Das mit dem dramatischen Bewohnerverlust könnte man ja mal einem Faktencheck unterziehen, ich glaube aber anderes)

Dann war die Aufführung zu Ende.

Am Montag gibt es ne Demo: https://www.facebook.com/events/999228400190746/#

 

 

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Eine Antwort to “ArTik im Vorderhaus”

  1. ArTik Freiburg Says:

    Das Artik als Jugendzentrum zu bezeichnen ist finde ich persönlich nicht richtig. Zu Zeiten in der Unterführung wurden zwar Räumlichkeiten an Nutzergruppen zur Verfügung gestellt allerdings standen die Partys, Alkohol und Profit immer im Vordergrund. Das ADAC Gebäude hatte ein riesiges Potential was von den Verantwortlichen leider nicht genutz wurde bis jetzt fand noch keine einzige offene Veranstaltung oder die zur Verfügungstellung des sosehr geforderten Freiraums für Jugendliche statt, welche ein Jugendzentrum eigentlich anbieten sollte. Für einen Gemeinnützigen Verein der seinen Bildungsauftrag nicht erfüllt sollte die Stadt kein Geld ausgeben!

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