Interview „Der Sonntag“ zum Feinstaubsensorbasteln in Freiburg

The Sunday paper…

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Herr Müller, Sie laden die Bürger ein, kommende Woche in einem Workshop Feinstaub-Messgeräte zu basteln. Wofür soll das gut sein?  Zum Einen setzt man sich so aktiv mit dem Thema Luftqualität auseinander und kann künftig Schadstoffe in seiner Umwelt selbst messen. Auf der anderen Seite lässt sich so vermitteln, dass das sogenannte „Internet der Dinge“ abseits der Schauergeschichten über lauschende Fernseher und gehackte Heizungssteuerungen für die Gesellschaft nutzbringend angewendet werden kann. Denn die Detektoren senden die Luftmessdaten ins Internet, wo sie auf einer Karte dargestellt werden.

Man trifft sich im Haus der Jugend, aus Stuttgart kommt ein Vertreter einer Bürgerinitiative, der hält einen Vortrag – und dann wird gemeinsam gebastelt?  Ja, genau. Frank Riedel von der Initiative Luftdaten.Info wird die sozialen, politischen und technischen Hintergründe erläutern. Und dann werden wir unter Anleitung Sensoren bauen.

Welche Fähigkeiten muss man mitbringen?  Wer schon mal seinen Internet-Router konfiguriert oder einen Videorekorder programmiert hat, der kann auch das Gerät zusammenbauen und anschließen. Man muss weder löten noch programmieren können, sollte aber in der Lage sein, eine technische Anleitung von einem Blatt Papier umzusetzen. Interessierte sollten 35 Euro für das Material mitbringen. Mehr nicht, die Stadt Freiburg fördert die Veranstaltung. Und mit dem fertigen Gerät kann man nach Hause gehen, es am Balkon anbringen und dort Feinstaub messen. Die Daten werden im Internet auf einer Karte (http://freiburg.maps.luftdaten.info/)  live dargestellt, so dass man stets sehen kann, wie groß die Belastung an welcher Stelle ist.  

Und wenn genügend Leute mitmachen, kommt eine Art Bürgermessnetz zusammen?  Ja, genau. Im Idealfall hat man, sagen wir, 30 Stationen, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Oder sogar bis ins Dreisamtal hinein. Dann könnte man auch beobachten, welche Belastung die großen Verkehrsachsen verursachen.

Im Gegensatz zu Stuttgart hat Freiburg aber gar kein so großes Feinstaubproblem. Hier sind es mehr die Stickoxide… In diesem Jahr hatten wir immerhin schon neun Tage, an denen der Grenzwert überschritten wurde – das ist gar nicht so wenig. Zudem ist Feinstaub ist nicht erst problematisch, wenn der Grenzwert überschritten wird. Und Stickoxid-Sensoren als Bausatz wären wesentlich teurer. Aber die Stuttgarter arbeiten auch daran.

Laut der Bürgermessnetz-Karte gibt es in Freiburg bislang genau ein Gerät: Ist das ihres? Ja. Wobei es seit dieser Woche bereits ein zweites gibt.

Was können die Bürger mit ihren Messdaten anfangen?  Sie können selbst ihre Verhaltensweise anpassen – auf das Auto verzichten, wenn das für sie möglich ist, den häuslichen Kamin kalt lassen. Und natürlich Druck auf die Politik ausüben, die Grenzwerte für den PKW-Verkehr zu senken, den Nahverkehr auszubauen oder gar Fahrverbote auszusprechen.

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