Frei.Burg nicht „Frei.Wild“

Völlig unkommentiert übernimmt die Badische Zeitung die Pressemitteilung des Konzertveranstalters von „Frei.Wild“ und weißt, darauf hin, das am Sa, 28. April 2018, 19:30 Uhr in der SICK Arena ein Konzert der Rechtsrock GruppeFrei.Wild“ stattfindet. Den Vorverkauf machen die BZ Geschäftstellen übrigens auch gleich.  (Netter Zeit Artikel zu der Gruppe)

Deshalb habe ich an Oberbürgermeister, den Aufsichtsrat der FWTM (alles Stadträte) und an den Namensgeber der Arena, die Firma SICK aus Waldkirch einen Brief geschrieben. Im folgenden der Brief, den ich heute verschickt habe.

Die Fraktionsgemeinschaft um Junges Freiburg hat dazu auch eine Anfrage verfasst.


Der Text der Anfrage:

Betreff: Konzert der Musikgruppe Frei.Wild am Sa, 28. April 2018, 19:30 Uhr in der SICK-Arena / Neue Messe

Sehr geehrte Herr Oberbürgermeister Dr. Salomon,
sehr geehrte Herr Geschäftsführer Strowitzki und Dallman,
sehr geehrte Damen und Herren des Aufsichtsrates,

im Rahmen ihrer Deutschlandtournee besucht die Südtiroler Deutschrock Gruppe „Frei.Wild“ Freiburg und gibt auf der von der FWTM verwalteten Messe ein Konzert. (Den Veranstaltungshinweis finden Sie auf BZ Ticket: http://bz-ticket.de/frei-wild-tickets-sick-arena-messe-freiburg-freiburg)

Ich finde es befremdlich, dass die Stadt Freiburg einer solchen Gruppe, die mit ihrer Musik völkisches Gedankengut verbreitet, einen deart breiten Raum bietet.

Die SICK Arena bzw. neue Messe in Freiburg (Bild: Wikipedia)

 

Lassen sie mich kurz einige leicht recherchierbare Dinge über die Gruppe aufzählen, weswegen ich diese für problematisch halte:

Der Lead-Sänger der Gruppe sang vor seinem Eintritt bei „Frei.Wild“ in der Rechtsrock-Band Kaiserjäger. Im Jahre 2008 wollte die Band auf einer Veranstaltung der Südtiroler Partei Die Freiheitlichen auftreten.

Der Journalist Thomas Kuban ordnete im Februar 2012 „Frei.Wild“ dem Begriff Identitätsrock zu, der in der Neonazi-Szene verbreitet sei. Das Album “Feinde deiner Feinde” ordnete er 2013 dem Rechtsrock zu. In den auf dieser CD enthaltenen Texten gebe es subtile Andeutungen, mit denen „auch Neonazi-Bands arbeiten“ würden.

Im Lied „Gutmenschen und Moralapostel“ würden Frei.Wild auf das antisemitische Stereotyp von angeblich reichen Juden anspielen.[1] Daneben spielt die Gruppe auch auf eine vermeintliche Holocaustindustrie an: Sie singen von Gutmenschen, die alles tun, um „die Geschichte, die noch Kohle bringt, ja nicht ruhen zu lassen”.

Im Lied mit der Textpassage „Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr“, die sich im vorgeblich Faschismus-kritischen Lied “Wir reiten in den Untergang” auf das politische Abstempeln der Band bezieht, verharmlost Frei.Wild laut Kuban die Judenverfolgung.[2]

Kritiker wie der Rechtsextremismusexperte Andreas Speit oder die Band Jupiter Jones werfen der Musikgruppe vor, klassische Rechtsrock-Themen zu besetzen und so für den Mainstream tauglich zu machen.

Im Jahr 2017 gelangte die Musiksoziologin Friederike Haupt zur Einschätzung, dass die Musik von Frei.Wild ein Südtiroler Opferimage und „Blut und Boden“-Motive bediene. Dabei würden „altväterliche, ungelöste Patriotismus-Fragen (…) ausgenützt, um sich selbst zu heroisieren.“

Hier nur einige Textbeispiele, um diese Thesen zu untermauern.
Etwa im Lied „Land der Vollidioten”:
„Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt
Vor den andersgläubigen Kindern”[3]
oder in
“Nennt es Zufall / Nennt es Plan”:
„Haben Leute verdroschen, über die Folgen nicht nachgedacht (…).
Keine Gefangenen gemacht
Wir haben gesoffen und geboxt, standen oft vorm Richter
Keine Reue, haben darü
ber gelacht.[4][5]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Musikgruppe sprachliche Codes der deutschen rechten Szene bedient und dabei so klug ist, dass sie krasse Provokationen oder offene – strafrechtlich relevante – Holocaustleugnung unterlässt und sich konservativ einkleidet. Dabei kommt ihr zugute, dass sie eben nicht aus Deutschland oder Österreich stammen, Länder in denen solche Positionen lange kaum salonfähig gewesen waren, sondern aus Südtirol und sich die “Heimat” immer auf Südtirol beziehen lässt, auch wenn die bewusst offen bleibt und dadurch und vor dem Hintergrund der Geschichte Südtirols, eben gerade auch für “Großdeutschland” stehen kann.

„Frei.Wild“ besingen eine Blut-und-Boden-Ideologie mit der die BRD 1945 gebrochen hat. Und damit eine politische Ideologie, die nach meiner Auffassung nicht in eine tolerante und aufgeklärte Stadt wie Freiburg passt, die sich intensiv mit ihrer Geschichte auseinandersetzt.

Ich bin mir sicher, viele Bürgerinnen und Bürger werden es als ihre Pflicht sehen, gegen den Auftritt zu protestieren.

Ich bitte Sie – nicht wegen der Proteste – sondern wegen der Ideologie, zu prüfen ob sich eine Absage des Konzerts noch erreichen lässt. Nach meinem Kenntnisstand gibt es für die Messehallen, kein öffentlich-rechtliches Benutzungsrecht, etwa im Gegensatz zu den Bürgerhäusern, da diese eben bewusst von einer privatisierten Gesellschaft betrieben werden und daher auch keine Pflicht der Stadt Freiburg bei Kapazität diese Hallen anzubieten.

Sollte dies aus rechtlichen oder finanziellen Gründen nicht möglich sein, bitte ich Sie, Veranstaltungen zu organisieren, die auf den politischen Charakter des Konzerts hinweisen. Beispielsweise durch eine Diskussionsveranstaltung mit dem Journalist Thomas Kuban, den Geschäftsleiter des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung, Dirk Wilking oder Musiksoziologin Friederike oder in anderer geeigneter Form.

Mir selbst stellen sich auch für die Arbeitsweise der FWTM einige Fragen:

  • Werden solche problematischen Veranstalter/Gruppen vorher geprüft?
  • Wer ist für die Vergabe des SICK Areals zuständig?
  • Wie stellt sich der Sponsor SICK, wenn auf einer nach ihm benannten Arena
  • Rechtsrock Konzerte abgehalten werden?
  • Wie wird der Aufsichtsrat über potentiell problematische Veranstalter informiert?

Gerade vor dem Hintergrund, dass es auch Strategie der europäischen Rechten ist, Denkweisen, die lange Zeit aus guten Gründen keine Rolle mehr spielten, wieder salonfähig zu machen bzw. in den kulturellen und politischen Mainstream einzuspeisen, bitte ich Sie, doch hier sensibel vorzugehen.

 

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne bereit und warte auf Ihre Antwort.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Sebastian Müller

 

Eine Mehrfertigung dieses Schreibens geht an die Aufsichtsräte der FWTM, Pressestelle der SICK AG, Freiburger Medien und andere.


[1] Text: http://songs.frei-wild.net/song/gutmenschen-und-moralapostel/

[2] Text: http://songs.frei-wild.net/song/wir-reiten-in-den-untergang

[3] Text: http://songs.frei-wild.net/song/das-land-der-vollidioten

[4]

[5] text: http://songs.frei-wild.net/song/nennt-es-zufall-nennt-es-plan

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Eine Antwort to “Frei.Burg nicht „Frei.Wild“”

  1. ‚frei.wild‘ „Rechtsrock“ oder „nur“ rechter Rock? | Sebastian Müllers Blog Says:

    […] diesem Hintergrund bleibe ich bei der Forderung aus meinem Brief. So ein Konzert passt nicht nach […]

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