Ähnlichkeiten zwischen Gauland, Hitler und Michael Seeman

Welche Ähnlichkeiten lassen sich in dem Gastbeitrag von Alexander Gauland in der FAZ (Fremde Federn: Warum muss es Populismus sein?), der Rede von Adolf Hitler in 10. November 1933 im Dynamowerk in Berlin-Siemensstadt finden und dem Gastbeitrag „Eine andere Welt ist möglich – aber als Drohung“ von Michael Seemann finden?

Nachdem am 9.10.18 der Tagesspiegel berichtete, das es zwischen beiden Texten Parallelen gibt und auch den Gastbeitrag von Wolfgang Benz (Historikers) abdruckte:

„Trotz der auffälligen Übereinstimmung von Argumentation und Diktion handelt es sich aus formal-juristischen Gründen wohl nicht um ein Plagiat. Denn nicht der Wortlaut stimmt überein, sondern „nur“ die vorgetragene Ideologie.
Doch Gaulands Text ist ganz offensichtlich eng an den Hitlers angeschmiegt. Es handelt sich um eine Paraphrase, die so wirkt, als habe sich der AfD-Chef den Redetext des Führers von 1933 auf den Schreibtisch gelegt, als er seinen Gastbeitrag für die „FAZ“ schrieb.“

Nun wäre es ja spannend ob man mithilfe des Tools, welches uns im Workshop „Machine Learning“ von https://thingsthinking.net/ vorgestellt wurde zu untersuchen. Eigentlich sind die Tools gedacht um große Datenmengen zu vergleichen und daraus immer wieder kehrende Informationen zu entnehmen.

Etwa bei einer Supermarktkette die hunderte von Mietverträgen hat und diese nun alle in das System hineinwirft um für alle Mietverträge Daten wie Parkplätze, Vertragstrafen, Quadratmeter zu erhalten und in einer Tabelle darzustellen. Klar könnte da auch stets ein Person alles durchlesen, nur so geht es viel schneller.

Die Firma hat mit ihrer Analyse des Koalitionsvertrages „SPD hat sich durchgesetzt“ für Aufsehen gesorgt, bei den Politikwissenschaften gab es einen Workshop zum Thema „Machine Learning“ und was passt da mehr als mit dieser Methode die Ähnlichkeit zwischen Gauland und Hecke zu untersuchen.

Zur Analyse:

Den Gauland Text gibt es hinter der Paywall bei FAZ online. Daher rauskopieren, in ein docx umformen. Die Hitler Rede gibt es bei Filmarchives online. Beide Texte bereitet man dann so auf, das sie als reiner Text, ohne Links, Seitenzahlen und sonstige Formatierungen vorliegen.

Für den gesamten Text gibt das System einen Match von 19.94% zwischen Hitler Rede und Gauland Gastbeitrag.

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Aber zu einigen speziellen Textstellen, die das System anmarkiert:

Hier kan man nun auf die Texte klicken und findet dann den Match im anderen Text:
Das Bild is so zu verstehen: In Weiß steht die Hitler Rede und in Gelb bzw. durchgestrichen die Texte aus der Gauland Rede. Jetzt sind die Sätze hier nicht identisch, dennoch sagt das semantische Modell das dahinter steht eine gewisse Übereinstimmung.

Das System gibt dann eine Übereinstimmung von 77.46%, wobei hier die Prozentzahl als ein synthetischer Wert zu verstehen ist und auch das Machine Learning nicht auf Rechtspopulistische Codes trainiert wurde und etwa bekannte Codes für plumpe Antisemitische Aussagen nicht kennt. Die müßte man ihm als „Wissen“ im Hintergrund hinterlegen.

Dann gibt es im Gauland Beitrag den Abschnitt: „Der globalistischen Klasse gegenüber stehen zwei heterogene Gruppen, die in der AfD eine Allianz eingegangen sind: zum einen die bürgerliche Mittelschicht, zu der auch der wirtschaftliche Mittelstand gehört, der nicht einfach seine Unternehmen nach Indien verlagern kann, um dort besonders billig zu produzieren; zum anderen viele sogenannte einfache Menschen, deren Jobs oft miserabel bezahlt werden oder nicht mehr existieren, die ein Leben lang den Buckel krumm gemacht haben und heute von einer schäbigen Rente leben müssen.“

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Das System findet darauf gleich 14 Matches in der Hitler Rede, denen es strukturell oder semantische Ähnlichkeit zuschreibt. Durch Nachdenken über die ähnlichen Textstellen, kamen wir dann darauf, dass es damals in Hitlers Rhetorik der der Versailler Vertrag war und heute ist es halt „Globalisierung“. Die von Außen arme Menschen belastet.

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Dann gibt es auch im Gauland Text den Satz:

„Das sind zugleich diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen.“ Für dieses findet das System mit 70.27% „… aber das Volk kann ihnen gar nicht nachfolgen, das Volk ist ja gekettet an seinen Boden, ist gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten …“

Dann ist da noch die Frage ob Gauland nicht in dem Gastbeitrag des Tagesspiegel Autors und Blogger Michael Seemann abgeschrieben habe. Auch das habe ich durch das System laufen lassen. Bei der gleichen Similarity Threshold: vom 70 % findet es einen Ähnlichkeitswert von 13.22%, bei der Hilterrede 19,94%. Ähnlichkeit Seeman/Hitler 9.26%.

Dennoch gibt es in beiden Beiträgen Textstellen die auch ähnlich klingen: „Heinz Bude spricht schon von einer strategischen Allianz aus Arbeiterschaft und frustriertem Bürgertum.“, schreibt etwa Michael Seeman und Alexander Gauland: „Der globalistischen Klasse gegenüber stehen zwei heterogene Gruppen, die in der AfD eine Allianz eingegangen sind: zum einen die bürgerliche Mittelschicht, (…) Der globalistischen Klasse gegenüber stehen zwei heterogene Gruppen, die in der AfD eine Allianz eingegangen sind: zum einen die bürgerliche Mittelschicht,“

Besonders ruchbar wird diese Ähnlichkeit bei:

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Beide Sätze erzielen einen Trefferquote von 91,71%, sind also nahezu identisch und vielleicht voneinander abgeschrieben. Geht man aber die weiteren Matches durch, dann ist sowohl der Klang als auch der Inhalt des Textes ein Unterschied. Während Gauland die AfD verteidigt, versucht Seelmann ein Phänomen relativ ruhig und sprachlich neutral zu beschreiben.

Daher es gibt auch in diesen Texten Ähnlichkeiten. Ich habe vor der Analyse mit dem Tool auch beide nur überflogen und erst hinterher gelesen. Und finde sowohl basiert auf Bauchgefühl als auch auf

Fazit

Schon eine kurze Analyse mit einem nicht trainierten System liefert doch recht deutliche Ähnlichkeiten. Natürlich muß man dann noch selber drauf schauen und auch prüfen ob die Punkte auch übereinstimmen.

Wollte man jetzt mit dieser Art der Analyse weitermachen könnte man der Machine noch die Konzeptwelt lernen, daher die Tatsache das Rechtspopulisten bestimmte Begriffe verwenden, die etwas kodieren oder man könnte auch sagen andere Dinge meinen. Also Begriffe wie Ethnopluarlismus, die eigentlich mal schön klingen, aber eben genau Rassismus ohne Rassen ist.

Und man könnte noch das Sprachmodell eingrenzen. Daher auf die bestimmten sprachlichen Muster anpassen.

Wenn man dann noch viel Zeit hat oder vielleicht eine Abschlußarbeit schreiben möchte, dann könnte man etwa einen Korpus von Goebbels Reden mit denen von Björn Höcke vergleichen und sehen welche Ähnlichkeiten es gibt.

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7 Antworten to “Ähnlichkeiten zwischen Gauland, Hitler und Michael Seeman”

  1. Nach Hitler-Eklat: Plagiatsvorwürfe gegen Alexander Gauland | H I E R Says:

    […] jedenfalls eine ziemlich überdrehte Debatte in der irgendwann sogar Machine Learning Algorithmen draufgeworfen wurden. I kid you […]

  2. Kurti (@Twanger2k) Says:

    Könntet ihr bitte die gleiche Untersuchung jetzt noch mal mit dem Text von Gauland und Michael Seemann im Tagesspiegel machen? Danke!

  3. Die Heimatlosen – Die Funzel Says:

    […] seine Thesen etwa von Hitler kopiert? Oder war es doch nur der Tagesspiegel gewesen? Nachdem eine Reihe möglicher Vorbilder ausgemacht war, stand eine für viele Linke unangenehme Frage im Raum: Kann es […]

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