Archive for the ‘Freiburg’ Category

Die Corona App erklärt, im Interview mit dem Freiburger Wochenbericht.

17. Juni 2020

Der Freiburger Wochenbericht hat den Chaos Computer Club zur neuen Corona Warn App der Bundesregierung gefragt, ich habe auch mit viel Input von anderen Menschen im Club versucht die Fragen zu beantworten.

Für einen Laien kurz erklärt, wie funktioniert die neue Corona-App, die eine bessere Nachverfolgung der Infektionsketten möglich machen soll? Was verbirgt sich hinter dem vieldiskutierten „dezentralen Ansatz“?

Mein Smartphone strahlt in Abständen von 2,5 bis fünf Minuten via Bluetooth Low Energy zufällig erzeugte Krypto-Schlüssel aus. Quasi ein sich ständig änderndes verschlüsseltes Autokennzeichen. Andere Handys speichern dieses Kennzeichen und schätzen aufgrund der Signalstärke die ungefähre Entfernung. Werde  ich nun positiv auf eine COVID-19 Erkrankung getestet kann ich diese Information über die App an die anderen Nutzenden weitergeben. Das Handy lädt einmal am Tag die Liste der Corona positiven Kennzeichen herunter und vergleicht selbst ob es in letzter Zeit ein solches Kennzeichen gesehen hat.  Findet es eine solche Übereinstimmung, warnt es mich. Es gibt eben keine zentrale Liste, wer wen gesehen hat. Das Smartphone kann aber nicht wissen ob ich wirklich in Gefahr war oder nicht weil ich z.b. eine Maske trug, durch eine Glasscheibe oder Wand getrennt war, so genau geht es einfach technisch nicht. (Eine gute Visualisierung gibt es bei: https://corona-tracing.cryptool.org/

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10.000 gegen Rassismus, 100 gegen Corona, 10 Polizisten

6. Juni 2020
So sieht das aus, wenn 10.000 Menschen gegen Polizeigewalt demonstrieren. Da muß man schon die Panoramafunktion vom Iphone nutzen.

„Endlich wieder normale Demos am Samstag.“, freute sich Stadtrat Otto von den Grünen zusammen mit 10.000 anderen Menschen war er gekommen um gegen Rassismus, Polizeigewalt und für „All Lives Matter“ zu demonstrieren.

Und friedlich war es und entspannt. Genau zwei Menschen habe ich ohne Masken gesehen. Eine sehr angenehme Atmosphäre mit Reden und Musik und ganz vielen Menschen.

Ab und an wurde gekniet und auch daran erinnert, das auch wir in Deutschland ein Problem mit Polizeigewalt haben.

Und dann ging die Demo zu Ende. Die Teilnehmer gingen ganz friedllich und entspannt nach Hause und 100 Leute der „Corona Rebellen“, Kundgebung kam. Die hatten erst nach Aufforderung Masken an. Eine Frau die ich fragte, ob sie denn auch ohne sich anzuschnallen Auto fahren würde, erklärte mir, „nur wenn ich vorne sitze, hinten nicht.“

Knien als Gedenken

Die Reden waren, auch soweit man es hören konnte, nichts neues. Und Bob Marley klingt auf einer Anti-Rassismus-Demo einfach angebrachter. Auch sonst sind beide Demos völlig unterschiedlich: Auf der einen junge Menschen, PoCs, entspannte und gute Atmosphäre, die Menschen achten auf die Maskenpflicht. Auf der anderen verbitterte alte Menschen, die irgendwas von Grungesetz erzählen, das nicht mehr gelte, weil man eine Maske beim Einkaufen tragen muß.

Freiburgs neuester Gedenkstein. Die AfD hat schon den Abbau gefordert.

Insgesammt sah man etwa 10 Polizisten am Platz der alten Synagoge. Allerdings soll es dann später bei der „Freunde der Freiheit“ Demo auf dem Münsterplatz mehr gewesen sein. Aber ich war da schon daheim

Parklets Freiburg begrüßt Vorstoß zahlreicher Fraktionen zur Temporäre Ausnahmen von den Sondernutzungsrichtlinien

27. Mai 2020
Das neue Parklet vor dem Yepa Yepa in der Merianbstraße (Foto: Yepa Yepa)

Parklets werden auch endlich in Freiburg möglich

Die auf Antrag der Grünen und weiterer Fraktionen beschlossenen Änderungen ermöglichen es zahlreichen Freiburger Gastronomen, Flächen vor ihren Cafes und Kneipen zum Sitzen und Aufhalten anzubieten. Gerade im Sedanviertel steigt damit die Aufenthaltsqualität deutlich.

Parklet Freiburg kämpft seit über zwei Jahren, die Umnutzung von Parkplätzen zu Aufenthaltsflächen im öffentlichen Raum, auch in Freiburg möglich zu machen. Während in Städten wie Stuttgart, Berlin oder San Francisco dies bereits Standard war, hatte in Freiburg das Garten- und Tiefbauamt, dies immer wieder blockiert und erschwert.

Blick von der Straße auf das neue Parklet vor dem Yepa Yepa (Bild: Yepa Yepa)

Sebastian Müller: “Endlich ist es auch in Freiburg soweit, Parklets werden die Aufenthaltsqualität deutlich steigern und ermöglichen der Gastronomie zu überleben. Wir begrüßen den Vorstoß der Fraktionen. Schade dass es dazu erst einer Pandemie bedurfte.”

Parklets seien nicht nur eine Möglichkeit mehr Außen Sitzfläche für Cafes und Kneipen zu schaffen, sondern auch unkommerziell die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu steigern. 

Wir wünschen uns diese Umnutzung auch in anderen Teilen der Stadt möglich zu machen, etwa im Alt-Stühlinger, gerade auch die Lehenerstraße würde sich dafür anbieten.

Wir werden in den kommenden Wochen versuchen innovative Formen für Parklets im öffentlichen Raum zu etablieren. Dazu bald mehr.

Vorlage: / Anfrage der Grünen

Wirr ist das Volk oder jedem seine Bühne

23. Mai 2020
Maximal 200, gefühlt mehr Polizei als Demonstranten.

Heute hat es endlich mal wieder geregnet in Freiburg. Was nach dem warmen Wetter der letzten Tage und der Dürre in der Rheinebene erfrischend war. Der ordentliche Regen hielt weder Greenpeace noch die Seebrücke davon ab für ihre Anliegen zu demonstrieren. Aber die „Freunde der Freiheit“, die ihre Demo auf dem Münsterplatz absagten. Da will man aufstehen gegen das Merkelregime mit seiner krassen „Ausgangssperre“ und dann wird man vom Wetter abgehalten.

So versammelte sich „Das Volk“ an zwei Orten. Rund um den Bertholdsbrunnen mit einer Demo gegen die Coronaleugner.

Die spulten in Redebeiträgen alltbekanntes aus den linken Forderungen, irgendwo zwischen Abschaffung des Kapitalismus, nein zum Polizeigesetz und gegen Privatisierungen im Gesundheitssystem ab. Übrigens konsequent mit Maske.

Auf dem Platz der alten Synagoge hatten sich nicht mehr als 200 Corona Rebellen aus der „nicht ohne uns“ bzw. „Zentrum Demokratischer Wiederstand“ Gruppe in Freiburg versammelt. Eher weniger. War auch kalt und regnerisch, deswegen entfiel demonstratives meditieren. Dafür gab es Musik oder sowas ähnliches. (Achtung: kann Musiker oder andere Menschen mit sensiblen Ohren verstören)

Es wurde auch versucht die Nationalhymne zu spielen, das klang aber noch weniger geübt. Angekündigt waren Strophen 1 und 2, ausgeteilt wurde der Text für Strophen 1 und 3. Die dritte Strophe des Deutschlandlieds ist die Nationalhynmne, alles andere halt ein Lied. Darf man auch spielen, ist halt „nur“ schlechter Geschmack.

Und auch einen „gut recherchierten“ Redebeitrag, in dem behauptet wird, die Antifa GmbH, werde von CDU, SPD und Grünen finanziert und die Antifa-Demoteilnehmer bekämen 25 EUR pro Stunde. Die Rede fand dann sogar der Herr mit „Wiederstand 2020“ Jacke so schräg, das er aufrief doch über Corona zu reden.

Ein Bekannter lies sich von der Rednerin erläutern woher sie diese Informationen habe. Und sie zeigte ihm die Belegstellen. Etwa einen Artikel des „Basler Express“: „Recherchen des als Russland-getreuen Propagandasender diffamierten TVKanals «RT» zufolge besteht die Antifa aus mehreren Organisationen von der Antifa GmbH über die Antifa-Gewerkschaft bis hin zum Antifa-Verein. Diese erhalten Geld von der deutschen Bundesregierung, den Parteien SPD, CDU und den Grünen sowie einzelnen sozialistisch-kommunistisch orientierten Verbänden.“ Und einen Satirischen Artikel aus der TAZ, jetzt könnte man beim aufmerksamen Lesen, sehen das eine Person namens P.Flasterstein, die im Artikel vor kommt… Aber klar passt nicht ins Weltbild.

Das dramatische ist – Menschen die die ganze Zeit behaupten, man solle alles kritisch überprüfen – scheitern hier schon an einer einfachen Quellenkritik oder grundlegender Medienkomptenz. So etwa diesen Artikel im Watson über die „neue Basler Aluhut-Zeitung“, die mit einer bunten Mischung aus Verschwörungstheorien und Spekulativem… Sie wissen was ich meine.

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Übrigens passierte dann nicht, es hielten sich die Teilnehmer kaum an die Munschutzvorgaben und wenn man sie darauf hinwies, behauptete etwa eine Dame, sie sei nur bei Spazierengehen und auf dem Markt gewesen.

Weil es die Demo auf dem Münsterplatz nicht gab, waren heute auch Menschen aus dem AfD Umfeld anwesend. Daneben soll einer der Organisatoren ebenso aus dem Umfeld der AfD stammen, das konnte ich aber nicht prüfen ob das stimmt.

Dann hatte ich nach der Demo noch ein Gespräch mit den Leuten, die die Schwedenfahne hochhielten und vor dem Gesicht trugen. Zum einen hatte ich den Eindruck, das von inzwischen falschen bzw. überholten Annahmen ausgegangen wird („Bereits 30% haben Antikörper“), als auch, dass sie wenn ich Dinge sagt, die nicht ins Weltbild passten, nie darauf eingingen und immer das Thema wechselten. Auch kamen sehr befremdliche Aussagen: „An Masern sterben ja in Deutschland jedes Jahr nur sechs Kinder“, worauf ich entgenete: „Aber wenn sie Vater eines dieser Kinder wären, dann würden sie sich ja schon wünschen, das man es rettet“, „das kann man so nicht sagen, das ist ja wie früher beim Verweigern, da wurde man auch so gefragt.“

Das ist eine kleine Minderheit und ich finde, man sollte sich mit ihr nicht weiter beschäftigen.

Leserbrief zu „Abgrenzung gegen rechts und links“ Badische Zeitung vom 18.5.

19. Mai 2020

Im Bezug auf die Kundgebung am Münsterplatz heißt es im Artikel: „Auch die Nähe zu Rechtsextremen oder Antisemitismus stritten sie ab“. Die Veranstalter wollen sich „weder von links und rechts vereinnahmen lassen“.

Wer eine Serie von Kundgebungen veranstaltet auf der:

  • angeleitet wird im ein Sprechchor „Antifa SA“ zu brüllen, während die Polizei die eine Gruppe Gegendemonstranten gerade entfernt (siehe dazu etwa dieses Youtube Video)
  • in einer Rede die Maskenpflicht beim Einkaufen mit dem Judenstern gleichgesetzt wird,
  • deshalb und wegen anderer Aussagen der Redner bei der Polizei mehrere Anzeigen wegen Volksverhetzung eingehen,
  • ein Plakat mit „Lebenslänglich für Drosten“ hochgehalten wird,
  • Menschen T-Shirts mit rechtsextremen Sprüchen tragen,
  • Lokaljournalisten namentlich angeht,
  • Menschen rote Armbinden und Mundschutz tragen, wo ein weißer Aufnäher mit stilisieren schwarzen Virus zu sehen ist, der an eine Hakenkreuz Armbinde erinnert. Dies wird vom Extremismusexperten Matthias Quest als „bildsprachliche Versuch, die aktuellen Maßnahmen mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen“ und Verharmlosung des NS gewertet, was im Kern selbstverständlich „rechts“ sei.
  • in den Vorbereitungsgruppen auf Telegramm unwidersprochen reichsbürgerliche, den Nationalsozialismus verharmlosende und rassistische Inhalte geteilt werden,

dessen ‚Abgrenzung nach Rechts‘, dürfte gescheitert sein.

Und wer nicht weiß, wie er sie eine Abgrenzung praktisch bewerkstelligen kann, der hätte nun wirklich genug Zeit gehabt, sich beim Ordnungsamt, der Polizei, der Landeszentrale für politische Bildung, den Soziologie Lehrstühlen der Freiburger Hochschulen, politischen Parteien, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen oder dem Antirassismus Referat des Studierendenparlaments zu informieren, wie man seine Veranstaltung weniger ‚rechtsoffen‘ gestaltet.

Nicht jeder Demonstrant ist Verschwörungsideologe oder Rechtsradikaler, aber jeder Demokrat hat auch die Verantwortung nicht bei Verschwörungsideologen und Rechtsradikalen mitzulaufen, auch wenn er Sorgen hat. Denn gerade diese Sorgen vieler Menschen, etwa um Kontakt zu Angehörigen in Altersheimen, über die eigene wirtschaftliche Existenz oder die Belastung durch den Spagat zwischen Heimbeschulung der Kinder und Arbeit, werden durch die Gesellschaft, in der sie vorgetragen werden, in ein schlechtes Licht gerückt.