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rechtsoffenes Mimimi bei der Freiburger Coronaleugner Demo

12. September 2020

Es gibt in Freiburg Demos und Kundgebungen vernünftiger Leute mit nachvollziehbaren Anliegen, auf denen die Abstände eingehalten werden und die Leute zum Selbstschutz Masken tragen. Etwa die 1500 am Freitag bei der Demo für Verkehrswende und Klimagerechtigkeit oder etwa am Samstag um 12:00 ca. 500 Menschen für die Aufnahme Geflüchteter.

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Demo Nr. 3 und damit auch die letze von der ich berichten will. Im Grunde ist das was „Querdenken 761“ jeden Samstag abliefert unspektakulär und meist sogar eher peinlich. Diesen Samstag habe ich bemerkt wie: – zwei ca 12 Jahre alte Jungs auf dem Fahrrad vorbei kamen, sagten „die labern Scheisse“, sich ein Grundgesetz mitnahmen und gingen. – eine Gruppe Studierender Eisessend vorbei lief und die Demo regelrecht auslachte. – immer wieder Passanten Kopfschüttelnd stehen blieben oder weiterliefen. – ein in der Schweiz arbeitender Arzt mit den Leuten diskutierte und dann meinte „gefährliches Halbwissen“ und „die Leute in meiner Intensivstation hatten aber keine Grippe“ und dann entsetzt ging. Also „das Volk“ scheint sich eher an den Kopf zu greifen als mitzumachen oder überzeugt zu sein. Von was auch: Die Bewegung und ihre Rhetorik besteht/bestand zum Großteil aus #Mimimi. 🤦🏻 Mimimi das Coffebike verkauft uns keinen Kaffee – „Einschränkung der #Meinungsfreiheit! Noch nie vom Antidiskriminierungsgesetz gehört? Verkaufen sie auch nicht an Juden und Schwarze?“ Sie haben ihn dann auch gefilmt wie er ihnen keinen Kaffee verkauft und sich per eMail bei der Coffebike Zentrale beschwert! 🤦🏻 Mimimi in Berlin war die #Polizei so böse zu uns. Dabei sind wir ja so friedfertig und voll der Liebe. (Außer halt letzte Samstag als wir einem Fotografen die Kamera kaputt gemacht haben) 🤦🏻Mimimi wir kommen schlecht weg in den #Systemmedien. (O-Ton) 🤦🏻 Mimimi man unterstellt uns das wir rechtsradikal sind, aber wir sind doch weder Rechts noch Links, noch oben und Unten. 🤦🏻 Mimimi wir werden von der #Antifa angegriffen auch wenn es heute gar keine Aktionen / Gegendemo gab. Es waren ca 100 Leute da. Ach ja geht doch mal eine Chai Latte, eine heisse Schoki oder einen Kaffee beim sehr sympathischen Coffebike trinken! #b0109 #freiburg #querdenken #pdas #demo #coffebike #coronaleugner #covid19 #covidiots #covidiot #coronarebellen

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Dann gibt es die Demos von Querdenken 761 und die sind eine einzige Ansammlung von rechsoffenem Mimimi. Da auf der letzten Demo einem Fotograf die Kamera kaputt gemacht wurde und auch Menschen angegriffen, gibt es nun einen Flyer, der über die Rechte von Journalist*innen informiert.

Flyer zum Verteilen.

Da ich mir die Reden nicht immer genau anhöre, verweise ich auf den twitter thread von „Kampfschildkröte“:

Obwohol die Teilnehmer*innen nach Öko-Links aussehen und das ganze auch sehr Mimimi ist, wird die Anwesenheit von rechtsextremen geduldet.

Aufrufe zum „Zivilen Ungehorsam“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Am Ende noch mein Aufruf: Geht Kaffeetrinken bei Coffebike Freiburg oder Lastenradbarista. Der will nämlich an die Leute von der Coronaleugner Demo keinen Kaffee verkaufen. Weil die ihn nerven, nicht zuletzt mit der schlechten Musik ihrer „Band“, „die Superschweden“. Superschweden nennen die sich, weil in Schweden läuft das ja alles so gut mit Corona. Zum Vergleich Schweden 10,23 Mio Einwohner und 5.846 Tote durch Corona, Baden-Württemberg 11,07 Einwohner und 1.868 (Stand 12.09.2020).

Und weil er ihnen das gesagt hat, haben sie erst versucht bei ihm undercover Kaffee zu kaufen und dann als er ihne das verweigert hat, der Coffebike Zentrale eine Beschwerdeemail geschrieben. Auch das hat nicht geklappt. Darum haben sie ihn heute wohl beim „Kaffee-nicht-verkaufen“ gefilmt und drohen jetzt mit Klage.

Übrigens von der anderen Kundgebung „Freies Mikrofon Freiburg“, die mit mir diskutieren wollte auf dem Münsterplatz, hat man seit zwei Wochen nix gehört. Vielleicht haben ja meine E-Mails dazu geführt, das sie aufgeben!

CO2 Messen mit dem Octopus

2. September 2020
Octopus Platine von Guido Burger mit 7-Segment Anzeige und SDC 30 CO2 Sensor von Sensirion, angeigter Wert 478 ppm CO2. Den Neopixel habe ich überklebt, weil man sonst nicht so gut fotografieren kann.

Seit einiger Zeit werden Aerosole, neben Tröpfchen, als Überträger für das SARS-CoV-2 Virus diskutiert. Das Problem ist: „Während insbesondere größere respiratorische Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können Aerosole auch über längere Zeit in der Luft schweben und sich in geschlossenen Räumen verteilen“ (Zitat vom RKI).

Da man Aerosole nicht so einfach messen kann, aber weiß, dass diese ungefähr mit CO2 korrelieren, daher ein Raum in dem schlecht gelülftet ist und indem dann auch die CO2 Konzentration hoch ist, der hat auch eine hohe Aerosol Konzentration, haben sich schlaue Menschen um Guido Burger und den Umweltcampus Birkenfeld überlegt, wie man einfach CO2 messen kann.

Glücklicherweise gibt es inzwischen von Sensirion einen günstigen Sensor und Guido Burger hat mit der Octopus Platine eine Platine, die diesen Steuern kann. Programmiert werden kann der Octopus über ArduBlock, eine visuelle Programmiersprache, bei der man keinen Text eingeben muß, sondern einfach kleine Blöcke zusammenschieben, aus diesen ergibt sich dann das Programm mit seinen Schlaufen, Bedingungen und Zugriff auf Sensoren und Ausgabegeräte.

Update: der UmweltCampus Birkenfeld hat inzwischen eine eigene Seite mit Videos und Tutorial zur Verfügung gestellt. Ein Blick darauf lohnt sich’s. Es sind auch viele weitere Anzeige

Ich will hier in einem kleinen Tutorial beschreiben wie man sich so ein CO2 Meßgerät baut. Die Umweltwerkstatt Birkenfeld hat die Überlegungen, Hintergründe und ein wenig eine Anleitung auch auf ihrer Website zusamemngefasst. Aber da ich kein technisch begabter Bastler bin, hatte ich so einige Hindernisse zu überwinden, bis ich zum Meßgerät kam. Die Basteln eine Ampel, ich möchte eher ein Meßgerät haben. Dennoch empehle ich den Blick auf ihre Website.

Bestellliste

  • Ocotopus Platine – gibt es bei Tindie, auch wenn dort steht das sie gerade ausverkauft sei, Guido Burger hat welche, im Zweifel auf twitter schreiben. Ich bemühe mich um eine bessere Verfügbarkeit. Ca. 30 EUR
  • Kohlendioxidsensor SCD30 – gibt es in verschiedenen Versionen, mit Grove Steckern, derzeit leider meist ausverkauft. Aber auch ohne, dann muß man vier Beinchen anlöten (Stand 1.9.2020 waren 765 verfügbar und weitere 1200 bestellt). Ich werde hier immer auf Mouser verlinken, weil ich da auch meine Teile beziehe, es sind aber keine Affiliate Links. Wer woanders bestellen will, muß einfach googeln. Ca. 45 EUR
  • Grove Kabel, zum Anschluß von Sensor an die Platine. Ca. 3 EUR

Auf jeden Fall brauchen wir noch eine Stromquelle, etwa eine Powerbank und ein Micro-USB-Kabel und vielleicht noch ein Gehäuse. Das hat man aber in den meisten Haushalten, daher verlinke ich nichts. Hier kann man kreativ sein.

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Warum ich diesen Samstag nicht mit „Freies Mikrofon Freiburg“ diskutiere

8. August 2020

Vor 2 Wochen gab es eine Diskussion zwischen mir und Anmeldern der „Freies Mikrofon Freiburg“ (FMF) Kundgebung auf dem Münsterplatz.

Screenshot vom YouTube Kanal „Profiteam“ – einem Angebot das live zahlreiche rechte Demonstrationen streamt. Quelle: https://youtu.be/O9hhyMwvjQw).

Auf der Kundgebung am 11.07.2020 kam schon ein älterer Herr, Typ Rentner auf Ausflug und hat das Mikro ergriffen und Antwort gegeben, so wie halt ein normaler Mensch, der nicht alles sehr verzerrt sieht, Antwort gibt. Am Samstag 25.07.2020 platze mir der Kragen und ich habe selbst auch Antwort gegeben. (Nachzusehen auf dem rechten YouTube Kanal https://youtu.be/O9hhyMwvjQw).

Daraus ergab sich dann mit dem Veranstalter eine Diskussion und die Einladung wieder zu diskutieren. Ich bat an am Samstag 8.8.2020 zu diskutieren. Allerdings kam erst gestern eine E-Mail des Veranstalters, so dass erst der 22.8. denkbar wäre, da ich vorher beruflich verhindert bin.

Allerdings gibt aus meiner Sicht für so eine Diskussion Bedingungen und klare Regeln: Etwa einer neutralen Moderation, ein vorher vereinbarten Ablauf des Gesprächs, Eingrenzung der Themen bzw. Des Themas.

Der Veranstalter bat mir an auch vorher einen Artikel zuzusenden, der Grundlage der Diskussion sein solle. Als Moderation schlug der Veranstalter einen Polizisten vor – das halte ich aufgrund der Rolle, die die Polizei bei einer solchen Veranstaltung einnehmen muß für eher schwierig – daher war mein Vorschlage ein Freiburger Moderator, etwa Thomas Uhlendahl oder Michael Wehner, den Leiter der LpB.

Trotzdem wollte Herr Hochulli, Leiter des Revier Nord, sogar prüfen ob die Polizei moderieren kann.

Warum diskutieren?

Seit es die „Freies Mikrofon Freiburg“ Kundgebungen gibt, gibt es auch Störaktionen und Gegenkundgebungen. Das ist aus meiner Sicht sehr berechtigt, denn auf den FMF Kundgebungen wurden von den Redner*innen – aus meiner Sicht – rassistische, menschenverachtende Inhalte, Verschwörungstheorien, Reichsbürgerquatsch und auch rechtsextreme Aussagen zum besten gegeben und unser Staat und die Freiheitlich Demokratische Grundordung verächtlich gemacht.

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Hygienedemo oder „nichtohneuns“ in Freiburg

26. April 2020

Eher zufällig als geplant kam ich gestern auf dem Rathausplatz in Freiburg bei einer Demo vorbei. Zunächst war mir gar nicht klar wer und für oder gegen was demonstrierte, das lag unteranderem daran, dass Menschen zwar Reden hielten, aber kein Megaphon hatten, sondern lediglich einen Alulampenschirm.

hinten: #freiburghältzusammen, rechts Plakat mit „Sag mir wo es noch Menschenrechte gibt?“ und vorne die mittelalte Frau, die empört in einen Alulampenschirm spricht.

Auch ästhetisch konnte ich die Demo nicht so recht zuordnen. Publikum waren eher ältere Menschen, so 50+, gemischt Männer und Frauen und eher so leger, ökologisch gekleidete Menschen. Keine Verkleidungen oder so.

Jetzt ist es so, das ich auch ziemliche Empörung angesichts der Tatsache empfand, dass durch die Corona Verordnungen Demonstrationen quasi überall untersagt waren (Zur Diskussion dazu, besonders ob das überhaupt Verfassungskonform ist, siehe Verfassungsblog), gleichzeitig aber die Bundesregierung defacto das Grundrecht auf Asyl ausgetzt hat, in Moira oder gewissen LEAs völlig unhaltbare Zustände herrschten, kaum in der Lage schien Kinder aufzunehmen und auch noch versuchte Seenotrettung zu stoppen. Alles Dinge die einen sicher empören und gegen die man Lust hätte oder sich in der Pflicht fühlen würde zu Demonstrieren.

Überreste der Demo auf dem Platz der Alten Synagoge

Inzwischen kann man in Baden-Württemberg aber wieder Demos anmelden und am Samstag gab es in Freiburg wohl zwei. Eine auf dem Platz der alten Synagoge, von eher linken Gruppen, auf dem sich die Teilnehmer an Abstandsregelungen hielten (zumindest waren Kreuze auf dem Boden wo man stehen sollte) und eine weitere die sich im Laufe wohl auf den Rathausplatz bewegt hatte.

Demo auf dem PdaS mit Abstand

Wohl gemerkt, das war nicht die Wirte-Demo mit den leeren Stühlen. Die Kundgebung am Rathausplatz wurde wohl von den Menschen aus diesem „nichtohneuns“ Bündnis angemeldet

Auf dem Rathaushplatz war eine seltsame Stimmung: Es war die mittelalte Frau anwesend, die immer wieder Dinge sagte, die die Menge aufstachelte. Leider konnte man sie eben nicht verstehen, wenn man weiter wegstand. Dann Menschen mit Grundgesetzen, einzelne Mitglieder der Freiburger AfD, die sich mit Antifa Jugendlichen zofften und dann von der Polizei zurecht gewiesen wurden.

Antifa Transpi: „Corona ist kein Insidejob – Gegen jeden Antisemitismus“

Übrigens die Polizei: Setzte das Demonstrationsrecht der Demo durch, vertrieb die Antifa-Gegendemo, es fand die ganze Zeit, die ich da war, keine wie auch immer geartete Repression, gegen diese Veranstaltung satt. Vielleicht sind Sprechchöre („Kein Staat, kein Gott, keine Nation“) , die man sonst auf solchen Gegendemos verwendet, eher weniger angebracht und man sollte versuchen mit den Menschen zu diskutieren.

Eines war relativ deutlich: Es wurde immer wieder gesagt man halte die Hygieneauflagen ein, zu sehen war das aber von Seiten der Teilnehmenden eher nicht. Dazu kamen dann noch recht wirre Plakate, die Teils selbstgebastelt und Teils auch profesionell hergestellt schienen.

Unter den Bäumen im schattigen Teil, gab es auch eine Meditation. Das war wohl Ergebniss eines Aufrufs von KenFM unter dem Motto „Ignorance Meditation“

Obwohl das ganze relativ wirr war, schlecht organisiert schien und auch nicht so ganz klar war, auf was die Teilnehmer wohl hinaus wollten, ist das wohl nicht ungefährlich. Denn es vermischen legitime Sorgen um Existenz und Arbeitsplatz mit bizarren Verschwörungstheorien und Nationalismus.

Jetzt muß man davon ausgehen, dass diese Demo(s), die es wohl bundesweit gibt, keine spontane Graswurzelbewegung sind, sondern durch die Website von KenFM beworben und zumindest angeregt wurden.

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