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Wahnwoche (ein Rückblick)

22. November 2020

Am Samstag mußte ich arbeiten, daher habe ich die unangemeldete Querdenken in der Innenstadt mit dem „knallharten Auflagenbescheid“, der wohl darin bestand, dass alle eine Maske tragen müßen (!), nur über soziale Medien mitbekommen.

Die Abgrenzung gegen Rechts läuft nicht so gut, würde ich mal sagen.

Dennoch gibt es einige spannende Entwicklungen. Am Mittwoch war unsere Gegendemo zum Public Viewing, des „Reichsstagssturms“.

Die Gegendemo verlief eher kurz, da um 17:00 Zelt und Fernsehgerät der „Corona Rebellen“ schon abgebaut war. Dennoch waren einige der Teilnehmer*innen, inklusive der Anmeldering Juliane P. noch da. Die leicht absurde Atmosphäre, fängt der Radiobeitrag von Radio Dreyeckland gut ein. Frau P, will nach eigenen Angaben nichts mit „Querdenken“ oder so zu tun haben, sie habe dieses Public Viewing als Privatperson angemeldet. Das sieht allerdings ganz anders aus, wenn man ihren Namen googelt:

Dort entstand auch das Politikfoto des Jahres – so würde ich es auf jeden Fall nennen: Auf dem ich und andere Menschen der Gegenkundgebung mit einem „Kritiker der Coronamaßnahmen“ diskutieren. Auch die Badissche Zeitung stellt in ihrem Artikel dazu fest, dass sich die Szene immehr mehr radikalisiere.

Neben Kundgebungen und Mahnwachen, scheint nun das Seuchentheater eine neue Aktionsform zu werden.

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Die Querfront ist die Herausforderung, nicht die AfD

4. Mai 2020
Bild von der letzten Demo in Freiburg

Am Samstag gab es in Freiburg diverse Demos. Mandic von der AfD schaffte es, trotz drücken auf alle rhetorischen Knöpfe des rechten Lagers kaum eine Schulklasse an Anhängern zu mobilisieren. Denen stellten sich im Regen über 800 Personen entgegen.

Man hat den Eindruck, diese Afd Demos dienen mehr zum Ausleben des eigenen Na(r)zißmus als dem Versuch „das Volk“ zu erreichen. Und bei den Gegendemonstranten vielleicht auch nur um sich gegenseitig zu vergewissern, was man für tolle Antifaschisten ist.

Denn trotz Aufforderungen – wie man sie im Stil nicht anders vortragen würde, wenn man eine Satire über Nazisdemos inszenieren würde – schloß sich keiner an. Auch sonst ist die AfD ziemlich eingeschlafen in der Krise: Sie wiederspricht sich selbst und ist nur peinlich, Weidel ist wohl in der Schweiz abgetaucht und in Umfragen bricht sie ein.

Außerdem hat die AfD ihre Position mehrfach geändert. Erst für krassere Lockdowns (den es ja so nie gab, sondern nur Ausgangsbeschränkungen) und dann jetzt viel schnellere Öffnungen fordert.

Viel gefährlicher ist aus meiner Sicht was sich derzeit an Querfront, Verschwörungsphantasien und dumpfer Wut auf „die da oben“ zusammenbraut. Zum einen ist diese Wut oder das Gefühl verarscht zu werden verständlich.

Viele Menschen haben durch die Beschränkungen in der Krise wirtschaftliche Existenzängste – selbst wenn die Beschränkungen aufgehoben würden, gehen dann nicht sofort alle morgen sofort teuere Güter (Möbel, Autos, …) einkaufen. Aus Sicht des klugen Angestellten, der Angst hat Arbeitslos zu werden oder Selbstständigen der keine Aufträge hat, macht es ja Sinn das Geld erstmal zusammen zu halten.

Diese Ängste und Unsicherheiten werden in den Wochen eher zunehmen. Denn selbst wenn wir hier in Deutschland keine zweite Welle bekommen und die Beschränkungen nicht nochmal verschärft werden (müßen), dann gibt es die noch in andere Länder. Außerdem ist für viele Firmen gerade fraglich ob ihre Exportmärkte Güter aufnehmen können oder die Zulieferer gerade arbeiten. (VW hat hatte ja die Montage nicht eingestellt weil sie es mußten, sondern weil niemand Autos kaufen wollte und sie nicht wußten ob sie die Teile bekommen)

Auf der anderen Seite ist jede Regelung immer ein wenig willkürlich. Warum darf X aufmachen und Y nicht (hier kann jeder einsetzen: Kindergarten, Kneipe, Bundesliga, Möbelhaus, Kulturdings, …). Außerdem wird es immer Härten geben, die man nicht abfedern kann.

Am Samstag hatten die drei Querfrontdemos die ich teils beobachtet habe, durchaus Zulauf: 200 Personen auf dem Münsterplatz, 50 wohl auf dem Rathaushplatz und noch mal ca 40 Leute an den Ständen am Kartoffelmarkt.

Man sollte eines nicht glauben, diese Bewebung entsteht nicht „von unten“, sie wird ganz massiv von bundesweit agierenden Netzwerken und Gruppen angefeuert, die Slogans, Plakate, Zeitungen und anderes bereitsstellen. Man sollte auch nicht glauben, das es sich um „normale, besorgte Bürger“ handelt, spätestens dann nicht mehr wenn diese in das Millieu abgerutscht sind.

Hier braut sich eine gefährliche Mischung zusammen, die Demos werden weitergehen und die Schnittmenge zu AfD, Impfgegnern, Klimawandelleugnern und 5G Gegnern ist groß.

Ich hoffe die aufgeklärten und progressiven Kräfte in Freiburg (Linke, F4F, Grüne, …) schaffen es hier eine Gegenöffentlichkeit und Diskussion herzustellen.

Demos als Konsumangebot

27. Februar 2011

Wieder den ritualiserten Studentenprotesten! Und bitte mehr Ahnung von der Asta Arbeit.

rituale des Protests

Ich war nicht bei der 50. nicht angemeldeten Demo gegen Studiengebühren in Freiburg. Bisher haben die Studierendenproteste wenig bewirkt, außer einer eigentlich eher unsozialen Geschwisterregelung, bei der dritte Sohn der Millionärstochter keine Studiengebühren zahlt, das zweite Kind der alleinerziehenden Mutter aber durchaus.

Es gibt keinen Grund, diese Demonstrationen, wenn man sie denn für nötig hält nicht anzumelden, unangemeldete Demos überlässt man eher der Antifa, die kann das besser. Selbst wer keine Zeitung liest, sollte in Freiburg inzwischen gemerkt haben, dass Studierende gegeben Studiengebühren sind.

Während der usta „Demos als Konsumangebot für eine bestimmte Klientel“ (eigene Aussage) organisiert, bearbeitet er die wichtigen Fragen die uns als Studierende angehen nicht. Kaum eine Information oder Stimme zur Neuordnung der Studiengänge im Lehramtsbereich, keine sinnvoller Protest gegen die Kürzungen (außer dem allgemeinen Dauerprotest) und auch kein erfolversprechener Versuch auf die Politik der Landesregierung Einfluss zu nehmen. Es wird zwar Demonstriert aber nicht mit Politikern geredet. Außerhalb der CDU gibt es ja immerhin die Bereitschaft mit Studierenden zu sprechen. (more…)