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Distanz Radar im Europapark

20. Mai 2020

Es erreichte mich und den CCC Freiburg eine Anfrage über eine geplante „Distanz App“ für den Europapark:

„Das Hauptziel der App ist, die Europa-Park Besucher auf spielerische Art daran zu erinnern und zu motivieren, die geltenden Abstandsregelungen (Social Distancing) während des Parkbesuchs einzuhalten (…) Es wird der Bluetooth LE (Low Energy) Standard genutzt. Über die Signalstärke wird die Distanz zu anderen Smartphones gemessen. Jedes Smartphone, auf welchem die App installiert ist, sendet gleichzeitig als iBeacon, und scannt die Umgebung nach anderen Geräten.“

Zitat von der Beschreibung des Distance Radar

Von der Badischen Zeitung wurde der CCC gefragt ob und wie das gehen kann und was wir dazu denken. Als Privatperson habe ich dazu geantwortet: Was muss eine App können, damit sie sinnvoll ist?

Ich weiß persönlich nicht bzw. halte es für zumindest technisch schwierig, über Bluetooth den Abstand zwischen zwei Geräten so genau feststellen zu können, das man anzeigen kann ob jemand mehr oder weniger als 1,5 m entfernt ist. Das könnte vielleicht noch einigermassen gehen zwischen iphones – die haben wahrscheinlich alle den gleichen Bluetooth Chip und Antenne, aber zwischen den unzähligen Android Geräten? Das stelle ich mir schwierig vor. Es müßte quasi jedes Gerät abstrahlen was es für eines ist, also etwa “Iphone 6s+” oder “Redmi Note XY” und dann müßte es eine Datenbank geben, die genau sagt: Dieses Bluetooth ist “laut”, das strahlt immer sehr stark und dieses Bluetooth “flüstert”. 

Wenn man aber die Art des Gerätes abstrahlt, dann hat man schon einiges an Daten, gerade wenn Leute exotische Geräte verwenden. Da ist dann ggf. weniger Anonymität. Möglicherweise haben auch Umgebung (Wände) und die Art des Tragens des Geräts (Körpernah, im Rucksack, Handtasche, …) Auswirkungen auf die Verbreitung und damit “Lautstärke”, weil ja der eigene Körper dämpft. Ggf. auch Unterschied zwischen dicken und dünnen Personen, ggf. muß die App auch unterscheiden können, ob ich etwa Rücken an Rücken getrennt durch eine Wand/Plastikfolie/… sitze oder eng beisammen stehe. Schon allein die Lage des Telefons und damit der Antenne verändert die Empfangsqualität.

Das stelle ich mir schwierig vor. Vielleicht kann man das auch lösen.

Bei Apple Geräten kommt meines wissen noch dazu – daran kranken alle bisherigen Apps – das ich vermute die App im Vordergrund mit Bildschirm an laufen muß, was recht zügig die Batterie leer saugt.

Bei einer Kontaktnachverfolgung gelten die gleichen Probleme wie auch bei der geplannten offiziellen App. Ich muß Datenschutzkonform und anonymisiert nachtvollziehen können, mit wem ich Kontakt hatte, und diese Personen irgendwie kontaktieren können. Damit die offizielle App funktionieren kann braucht sie Zugriff auf bestimmte Features, die Apple – so wie ich das verstehe – nur jeweils einer App pro Land freischalten wird, weil etwa die offizielle App dann auch Dinge festlegen muß wie “Kontaktintensität”, Nähe, …

Ob das ohne Zugriff auf diese speziellen Features geht: Ich wäre da skeptisch. Im Zweifel wickel ich mein Telefon in Alufolie vom Vesperbrot um so das Bluetooth LE zu dämpfen und bin dann weiter weg.

Denken Sie, ein Unternehmen kann es mit einer App wie dieser schaffen, was die Bundesregierung nicht schafft?

Die Tracing App der Bundesregierung soll ja helfen die Arbeit der Gesundheitsämter beim Zurückverfolgen der Kontakte zu vereinfachen. Gerade auch für Zufallskontakte (ÖPNV, Schlange, Supermarkt, …) kann das sicher hilfreich sein, weil ich da ja gar nicht die Leute kenne. 
Die App des Europapark wil ja Menschen helfen Abstand zu halten. Das ist erstmal eine charmante Idee, die ja auch in anderen Situationen hilfreich sein könnte.

Da es schwierig ist entsprechende Apps zu beurteilen, auch weil der Quellcode nicht offen vorliegt, hat der bundesweite CCC zehn
Prüfsteine für eine Contact Tracing Apps aufgestellt:
https://www.ccc.de/de/updates/2020/contact-tracing-requirements

Aus den vom Europa Park bisher veröffentlichenden Infos lässt sich nicht ablesen ob die geplante App diesen Prüfsteinen gerecht wird.