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"Das geltende Recht gibt schon jetzt Einiges her, wenn die Städte unerwünschte Böllerei beschränken wollen" Remo Klinger im Interview.

6. Januar 2020

Frage: Herr Prof. Dr. Remo Klinger, der Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, Martin Horn, behauptet, ein Böllerverbot sei nicht zulässig und appelliert an die Bürger*innen, zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Feuerwerkskörpern. Ein freiwilliger Verzicht werde seitens der Stadt begrüßt. Gleichzeitig verletzen sich jedes Jahr zahlreiche Menschen durch Böller und Raketen, Balkone und Häuser brennen, Traumatisierte Menschen und Haustiere haben Angst. Haben die Städte wirklich keine rechtlichen Möglichkeiten, die Gesundheit und das Leben ihrer Bürger zu schützen?

Klinger: Also entweder ist der OB schlecht beraten oder schlicht ignorant. Bei Ersterem ist es nicht so schlimm, die Beratung kann man ja nachholen: Das geltende Recht gibt schon jetzt Einiges her, wenn die Städte unerwünschte Böllerei beschränken wollen.
Es beginnt bei dem Verbot, Feuerwerksartikel in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden abzubrennen. Das Verbot gilt generell und bedarf noch nicht einmal eines Stadtratsbeschlusses, die Polizei muss es durchsetzen und zwar nicht nur am Freiburger Münster, sondern an allen betroffenen Gebäuden. Die meisten Menschen wissen davon leider nicht einmal. In einem nächsten Schritt wäre es möglich, Böller, also keine Raketen, in der Innenstadt zu untersagen. Dazu bedarf es nachvollziehbarer Gründe, die beispielsweise in einer engen Altstadtbebauung liegen können, man muss dafür noch nicht einmal bestimmte Gefahren, die mit der Böllerei einhergehen, verhindern wollen.
Wenn man jedoch in der Vergangenheit in bestimmten Gegenden sogar handfeste Gefahren für die öffentliche Sicherheit hatte, kann man in diesen Zonen noch weiter gehen und nicht nur die Böller, sondern jedes Feuerwerk verbieten. Das Recht bietet somit schon jetzt ein abgestuftes Instrumentarium. Ob man es nutzt, ist eine Frage der Umstände und des politischen Willens. Da muss man Farbe bekennen und kann sich nicht hinter dem angeblich unzureichenden Recht verstecken.

Ob man es nutzt, ist eine Frage der Umstände und des politischen Willens. Da muss man Farbe bekennen und kann sich nicht hinter dem angeblich unzureichenden Recht verstecken.

Frage: Wären etwa begrenzte Verbote, an besonders gefährlichen Stellen, etwa im Rahmen einer Polizeiverordnung denkbar? Immerhin werden ja auch für Versammlungen unter Umständen Auflagen erteilt und es geht nicht nur um die möglichen Schäden durch Feinstaub, sondern auch um ganz konkrete Gefahren, etwa die Verletzungen durch explodierende Böller.

Klinger: Ja, natürlich. Dazu braucht es noch nicht einmal eine Verordnung, dazu genügt eine sogenannte Allgemeinverfügung, also ein Bescheid, der an alle Bürger*innen gerichtet ist und öffentlich bekannt gemacht wird. München hat es an diesem Silvester vorgemacht: Die Gegend zwischen Stachus und Marienplatz, in der es 2018 zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kam, war komplett demilitarisiert, also ohne Böller und Raketen. Trotzdem waren die Straßen dort voll, nur war die Stimmung netter, wie man berichtete, es gab auch fast keine Verstöße gegen das Verbot.
Außerhalb dieses Gebiets, aber innerhalb des Mittleren Rings, das ist also die gesamte Münchner Innenstadt, waren zwar Raketen erlaubt, aber keine Böller. Auch daran wurde sich weitestgehend gehalten. Es wurde also abgestuft vorgegangen. Die Menschen konnten böllern und Raketen zünden, wenn sie dies wollten. Und sie konnten davon in Ruhe gelassen werden, wenn sie es nicht wollten, ohne gleich aus der Stadt fliehen zu müssen. Die Stadt ist für alle da, aber es muss nicht jeder überall alles machen dürfen.

Foto: „Helen Nicolai“

Frage: Um vom konkreten Fall, etwas ins Allgemeine überzugehen: Auf der einen Seite erleben wir bei bestimmten Gruppen, etwa lärmenden Jugendlichen auf Plätzen, Fußballfans oder Geflüchteten, insbesondere von Seiten konservativer Politiker, großen Fleiß und Eifer, wenn es um Gefahren geht, die (vermeintlich) von diesen ausgehen. Da wird schnell Videoüberwachung, Gesetzesverschärfungen oder mehr Polizei gefordert. Auf der anderen Seite werden Verhaltensweisen, wie auf der Autobahn Rasen, Betrunken mit Sprengstoff hantieren oder Autos mit Betrugssoftware bauen, als Rechtsverstöße bagatellisiert oder mit dem Hinweis auf die eigene Freiheit verteidigt. Woran liegt das nach ihrer Meinung?

Klinger: Politiker machen im Zweifel das, von dem sie meinen, es sei populär. Manchmal meinen sie das aber auch nur. Denn bei der Böllerei müsste das längst zu Beschränkungen führen. Nach den letzten Umfragen sind mehr als die Hälfte der Befragten dafür.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Remo Klinger ist Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Er ist Honorarprofessor der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Mitherausgeber und Redaktionsmitglied der Zeitschrift für Umweltrecht (ZUR). In der breiten Öffentlichkeit ist er weniger bekannt, aber laut „Stern“ ist er „in Fachkreisen (…) ein Star“. Dreizehn Verfahren hat er für die Deutsche Umwelthilfe um die Einhaltung der Stickstoffdioxid Grenzwerte geführt und dreizehn Verfahren hat er gewonnen.

Feinstaub zum Jahreswechsel 19/20

1. Januar 2020

Miska Knapek hat einen alternativen Luftdaten Feinstaub Viewer gebaut. Mit dem kann man relativ einfach den Verlauf der Luftverschmutzung darstellen. Was ich im Video unten gemacht habe.

Deutlich zu sehen. Gegen 12:00 am 31.1.19 ist die Luft in Deutschland noch mehr oder weniger gut. Einzelne Rote Flekcen gibt es im Ruhrgebiet und Rhein-Main (sowie in Flandern).

Ab 23:00 UTC auf dem Film, daher pünkltich 0:00 MEZ, verschiebt sich das dann in Richtung lila. Eine kleine Erklärung der Farben: Alles in Grün ist so die normale Belastung. Rot ist dann schon über den bekannten 50 µg/m³, die wenn sie im 24h Durchschnitt mehr als 25 Tage im Jahr überschritten werden, zu Fahrverbroten führen.

Lila ist dann richtig schlechte Luft. Die angzeigten Werte sind PM 10 µg/m³, Partikel, deren aerodynamischer Durchmesser weniger als 10 Mikrometer (µm) beträgt.

Diese richtig hohen Werte gehen dann im Laufe des 1.1.2020 zurück, bleiben aber durchaus in der Luft, noch weit bis zur Mittagszeit.

Wer sich übrigens fragt, warum es an Silvester immer so neblig wird: Der Pulverdampf und die Feinstaubpartikel sorgen für diesen Nebel, weil sich daran auch der Wasserdampf in der Luft anlagern kann.

Zum Vergleich die Situation in Schweden: Alles bleibt grün.

Hier noch das Bild der aktuellen offiziellen Werte, des Landesumweltamts Baden-Württemberg. Auch hier ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Wie schon gesagt: Hier macht man sich ganz ohne Not Grenzwertüberschreitungstage, die dann zu Fahrverboten führen.

Weihnachtsbasteleien: Stadtmodell und Abfahrtsdisplay für die Straßenbahn

25. Dezember 2019

Die Weihnachtsgeschenke sind dieses Jahr selbstgebastelt.

Stadtmodell

Ich bastle ja schon seit langem an einem 3-D-Druck Stadtmodell von Freiburg. Passt ja auch wunderbar zum Jubiläum. Am Stand des Stadtjubiläums gibt es ein großes Modell, 50 cm auf 50 cm, das dort wohl regen Zuspruch findet. Für meinen Vater habe ich ein kleines Modell ausgedruckt 21 x 21 cm und in einen IKEA Rahmen montiert. So kann man das ganze auch daheim aufhängen. Gerne würde ich die Datei(en) auch veröffentlichen, so dass sich jeder das ganze selbst drucken kann, aber dazu muß sie unter einer entsprechenden Lizenz stehen. Ich habe in den vergangen Wochen dazu Antichambriert, Antwort steht noch aus.

Abfahrtsdisplay

Teil unseres Gewinns beim Wettbewerb Zukunftsbahnhof Wernigerode war auch ein leicht zu bauendes Abfahrtsdisplay für Bahnhöfe. Daran arbeiten wir noch, besonders das leicht zu konfigurieren ist so ein Thema. Ich wollte ein System, das ohne das man darauf rumtouchen muß, anzeigt wann die Straßenbahn an der nächsten Haltestelle abfährt, vorallem aber ob sie überhaupt abfährt.

Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg bietet seit einiger Zeit einen Testbetrieb für ihre FAHRPLANAUSKUNFT EFA-BW – ECHTZEIT TESTBETRIEB, also auch mit Verspätungsdaten. Die VAG scheint solche Daten zu übermitteln und daher kann man dann sehen ob die Bahnen zu spät sind oder gar nicht fahren. Und man kann sogar recht leicht eine Übersicht mit URL konfigurieren, die die Daten immer weiter lädt.

Zunächst zum Link: Geh auf den Link EFA-BW, wähle dort den Reiter „Abfahrtsmonitor„.

Dann muß man dort die gewünschte Haltestelle auswählen, etwa „Bertholdsbrunnen“ und dann die gewünschten Linien auswählen. Wichtig ist, dass man Haltestelle angeklickt hat und dann „anfordern“ klickt.

Auf Vollbild klicken in dieser Ansicht.

Der Abfahrtsmonitor geht dann in eine schöne Website, für unseren Abfahrtsmonitor brauchen wir aber eine Ansicht ohne Reiter. Daher einfach auf „Vollbild“ gehen. Dann noch auf den Knopf „Ihr Link zu diesem Abfahrtsmonitor“. Ihr bekommt dann einen QR Code und einen Link.

so sieht es dann aus
hier haben wir den Link. Da muß man aber noch was ändern.

Achtung der Link hat die Uhrzeit und Datum drin, wir wollen aber, das immer die aktuellen Abfahrten sieht. Dazu einfach alles hinter „dateTime=“ löschen. Fertig.

Den Link haben wir. Den kann man auch gut in einen QR Code einfügen, also nicht den von dieser Website verwenden, sondern in eigene, dann kann man immer sein Handy drauf halten und sieht die Abfahrten. Oder aber man hinterlegt es sich im Browser als Link oder auf dem Startbildschirm vom Handy. (iOS / Android).

Digital Signage.

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Deutsche Umwelthilfe unterstützt Bürgerantrag / Stadt soll mit Allgemeinverfügung Böllerei einschränken

20. Dezember 2019

Download der Unterschriftenliste (PDF)

Die Deutsche Umwelthilfe unterstützt den Bürgerantrag von „Sicheres Silvester“. Die Deutsche Umwelthilfe hat auf ihrer Kampagnenseite https://feuerwerk-change.org/ nun auch eine Onlinepetition für Freiburg geschaltet. Zudem unterstützt sie die Bürgergruppe „Sicheres Silvester“ mit Öffentlichkeitsarbeit.

„Üblicherweise wird nur in den wenigen Tagen vor dem Jahreswechsel über die negativen Folgen der Silvester-Böllerei gesprochen. Erstmals ist es uns gelungen, eine anhaltende sachliche Debatte über das notwendige schnelle Ende dieser archaischen Form des Silvesterfestes zu initiieren.
Mut machen uns vor allem die überwältigenden positiven Rückmeldungen und die aktive Unterstützung durch über 170.000 Bürgerinnen und Bürger, die für rauschende Silvesterfeste ohne Schwerverletzte, Häuserbrände, panisch reagierende Tiere, verlorenes Augenlicht und verstümmelte Hände kämpfen.
Leider sind viele Stadtoberhäupter noch nicht so weit wie die Mehrheit der Bundesbürger oder die in den Notaufnahmen arbeitenden Augenärzte, Chirurgen und Rettungssanitäter, die zu Silvester jedes Jahr zahlreiche Noteinsätze haben und vermeidbares Leid erfahren“
, Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V.

Die Onlinepetition ist unter: www.change.org/feuerwerk-freiburg zu finden.

Auch ein Rechtsgutachten von Professor Dr. Remo Klinger „Kommunale Möglichkeiten derBeschränkung des Abbrennens pyrotechnischer Gegenstände an Silvester“, im Auftrag der der Deutschen Umwelthilfe macht Handlungsmöglichkeiten deutlich. Die Stadt kann im Rahmen ihrer Generalermächtigungen nach Ermessen eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Zünden von Feuerwerkskörpern, etwa innerhalb des Innenstadtrings oder auf den Brücken über den Bahnhof verbietet. Als Rechfertigungsgrundlage dürfte die regelmäßig von der Böllerei ausgehende Gefährdung von Leben und Gesundheit völlig ausreichen.

Um aus dem Gutachten zu zitieren:

„Dabei ist auch berücksichtigen sein, dass auch in ihrer Gesundheit vorgeschädigte Personen, wie Asthmatiker, geschützt werden müssen. Dem Staat obliegt grundsätzlich eine Schutzpflicht für alle seine Bürgerinnen und Bürger, nicht nur für gesunde Menschen. Dieser muss er gerecht werden.
Die Einschränkung der grundrechtlich verbürgten Handlungsfreiheit erfolgt im Interesse des Gemeinwohls und stellt damit einen legitimen Zweck dar. Der Erlass von auf ordnungs- rechtlichen Generalermächtigungen beruhenden Allgemeinverfügungen ist grundsätzlich auch geeignet diesen Zweck zu erfüllen (…)
Unter dem Gesichtspunkt der Erforderlichkeit ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass für bestimme Städte und ihre Stadtstrukturen nur lokal weitreichende Allgemeinverfügungen in der Lage sein werden, einen ausreichenden Schutz der öffentlichen Sicherheit zu gewährleisten und entsprechende Verbote daher auch erforderlich sind.“

Rechtsgutachten von Prof. Remo Klinger für die deutsche Umwelthilfe

Zum Bürgerantrag für alle Freiburger: https://sbamueller.files.wordpress.com/2018/11/einwohnerantrag-weniger-feuerwerk-in-freiburg.pdf

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Geigerzähler mit WLAN

16. Dezember 2019

Was machen Bastler in der Vorweihnachtszeit? Basteln. In diesem Fall Geigerzähler, die ihre Daten auf eine gemeinsame Karte hochladen. Wozu man das braucht? Schließlich macht das Bundesamt für Strahlenschutz ja auch sowas. Ganz einfach: Es ist eine coole Technik und man kann damit den Behörden auf die Finger schauen.

Wer sich jetzt an das Projekt Luftdaten.info mit seinen Feinstaubsensoren erinnert, der liegt gar nicht so falsch. Die Daten werden von einer ähnlichen Software gesammelt und auf einer Karte dargestellt. Die Initatoren hoffen auf einen ähnlichen Erfolg.

Die fertigen Geigerzähler

Freiburg hat ja genug potentielle Strahlenquellen um sich herum, während das Atmokraftwerk Fessenheim ja „bald“ abgeschaltet werden soll, feiert man für die schweizer AKWs Betznau und Leibstadt, fröhlich deren 50 Jährige Jubiläen. So kann man froh sein, dass der Auftakt zu diesem Projekt in Freiburg war. Die ersten beiden Sensoren sind schon online, weitere werden in den nächsten Tagen folgen.

Zum Unterstellen brauche ich lediglich Strom, etwa 1 m2 Grundfläche im Garten oder auf einem Dach und WLAN. Man muß für das Basteln der Platine löten können, das ist aber machbar, wenn man sich etwas Zeit nimmt. Kosten liegen bei ca. 70 EUR.

Wir werden sicher im kommenden Jahr noch ein Basteln machen in der Region. Die nächste Veranstaltung von Ecocurious ist in Sindelfingen. Außerdem soll auch bald eine Variante kommen, die ihre Daten nicht per WLAN überträgt, das hat man ja draußen nicht an jeder Stelle, sondern per TTN/Lora.

Die Bauanleitung findet ihr auf der Github von Ecocurious: https://github.com/ecocurious/MultiGeiger/blob/V1.11_20191216/docs/Bauanleitung/Aufbauanleitung_2019_13_09.pdf

Danke an den Chaos Computer Club, der uns seine Räume zur Verfügung gestellt hat und an die Teilnehmenden von Schul- bis Rentenalter, die Teils sogar aus NRW angereist waren und natürlich an Ecocurious und ihr Team, die das ganze entwickelt haben.