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Neuer Flyer weißt auf Parklet Möglichkeiten hin

12. Juni 2020
Damit die Kneipe auch draußen sein kann. Informationen für Wirte und Gastronomen
neuer Flyer, auch als PDF

Dank des Gemeinderatsbeschlußes, der Parklets erlaubt, gibt es nun in Freiburg einen kleinen Parkletboom. Ich will, dass der nicht nur auf „Im Grün“ oder die Sedantraße beschränkt bleibt, sondern möglichst Wirten, Cafés und Restaurants in der ganzen Stadt zu Gute kommt. Daher gibt es nun einen Flyer um die Menschen darüber zu informiere.

Auch die Blogseite dazu habe ich überarbeitet.

Und es werden immer mehr.

(more…)

Parklets Freiburg begrüßt Vorstoß zahlreicher Fraktionen zur Temporäre Ausnahmen von den Sondernutzungsrichtlinien

27. Mai 2020
Das neue Parklet vor dem Yepa Yepa in der Merianbstraße (Foto: Yepa Yepa)

Parklets werden auch endlich in Freiburg möglich

Die auf Antrag der Grünen und weiterer Fraktionen beschlossenen Änderungen ermöglichen es zahlreichen Freiburger Gastronomen, Flächen vor ihren Cafes und Kneipen zum Sitzen und Aufhalten anzubieten. Gerade im Sedanviertel steigt damit die Aufenthaltsqualität deutlich.

Parklet Freiburg kämpft seit über zwei Jahren, die Umnutzung von Parkplätzen zu Aufenthaltsflächen im öffentlichen Raum, auch in Freiburg möglich zu machen. Während in Städten wie Stuttgart, Berlin oder San Francisco dies bereits Standard war, hatte in Freiburg das Garten- und Tiefbauamt, dies immer wieder blockiert und erschwert.

Blick von der Straße auf das neue Parklet vor dem Yepa Yepa (Bild: Yepa Yepa)

Sebastian Müller: “Endlich ist es auch in Freiburg soweit, Parklets werden die Aufenthaltsqualität deutlich steigern und ermöglichen der Gastronomie zu überleben. Wir begrüßen den Vorstoß der Fraktionen. Schade dass es dazu erst einer Pandemie bedurfte.”

Parklets seien nicht nur eine Möglichkeit mehr Außen Sitzfläche für Cafes und Kneipen zu schaffen, sondern auch unkommerziell die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu steigern. 

Wir wünschen uns diese Umnutzung auch in anderen Teilen der Stadt möglich zu machen, etwa im Alt-Stühlinger, gerade auch die Lehenerstraße würde sich dafür anbieten.

Wir werden in den kommenden Wochen versuchen innovative Formen für Parklets im öffentlichen Raum zu etablieren. Dazu bald mehr.

Vorlage: / Anfrage der Grünen

Impfgegner sieht Entwicklung von Impfung gegen Corona skeptisch oder wie die Badische Zeitung Steffen Rabe auf den Leim geht

24. Mai 2020
Seite 2 der Badischen Zeitung vom Freitag 23.5.2020

Am Freitag berichtete die Badische Zeitung über die Herausforderungen bei der Entwicklung eines möglichen Impfstoffs gegen die SARS–Covid–19 Erkrankungen. Das ist ein spanendes Thema und sicherlich angebracht. Ein Übersichtsartikel informiert über die Schwierigkeiten: Virus mutiert, gegen kein Coronaviren gibt es bisher einen Impfstoff, wir wissen nicht wie lange die Imunantwort erhalten bleibt.

Es kommt Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Freiburg zu Wort: „Rund 100 Kandidaten für einen Impfstoff, schätzt der Virologe, werden gegenwärtig entwickelt: „Wenn wir Glück haben und ein guter dabei ist, haben wir in einigen Jahren einen effektiven und sicheren Impfstoff.“

Soweit so gut. Alles ganz stimmig und nichts auszusetzen. Unten dran gibt es dann aber ein Interview mit einem Kinderarzt, nicht irgendein Kinderarzt sonder jemand der vorgestellt wird als: „Impfkritiker“ und „Sprecher des Vorstands im Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung“. Sowohl für Herrn Raabe als auch den Verein gibt es Einträge auf der Anti–Schwurbel oder man sollte besser sagen Anti–Verschwörungsmystiker Website, Psiram:

„Er verharmlost schwere Infektionskrankheiten, wie z.B. die Masern, und betreibt Panikmache vor Nebenwirkungen der Schutzimpfungen. Von wissenschaftlichen Studien, die nachweisen, dass Impfnebenwirkungen äußerst selten sind, behauptet er, diese seien durch die Pharmaindustrie gefälscht und es gebe tatsächlich viel mehr gravierende Nebenwirkungen, eine Aussage, die allerdings epidemiologisch nicht belegt ist. Unter anderem behauptet Rabe, dass Impfungen sogar gefährlich seien, z.B. wegen schädlicher Zusatzstoffe (z.B. Thiomersal könne Autismus verursachen) oder indem er in seiner „Impfaufklärung“ den juristischen Tatbestand der Körperverletzung und Fehlbehandlung im Zusammenhang mit Impfungen aufführt.
Weitere Beispiele sind Behauptungen, wonach Impfungen eine Reihe anderer Krankheiten verursachten, wie z.B. Allergien, Autoimmunerkrankungen oder eine generell verminderten Immunabwehr nach einer Impfung (speziell Masern und HIB). Dabei lässt er unerwähnt, dass in der DDR die Durchimpfungsrate beinahe 100% betrug, die Allergierate hingegen viel niedriger war als in der Bundesrepublik. Eine Tatsache, die sich nicht mit diesen Behauptungen in Einklang bringen lässt.“

Zitat aus Psiram

Nun kann man sich fragen, was ein solcher Akteuer beitragen kann zur Diskusion um einen möglichen Corona Impfstoff. Für Raabe und seinen Verein gibt es im Grunde keinen Impfstoff der sicher ist oder sinnvoll. Ja er propagiert sogar: „Für bestimmten Krankheiten einen „individueller Wert“ für den Betroffenen zugesprochen, vor allem den Masern.“ Jetzt ist eine Masernerkrankung für den betroffenen keine angenehme Sache und hat je nach Studie eine Todesrate von 1:500 bis 1:1000.

Die Bezeichnung Impfkritiker ist in dem Zusammenhang so ein Euphemismus, wie wenn man Lutz Bachmann interviewen würde und mit der Bezeichnung „Migrationskritiger“ einleiten. Soviel fragwürdiges zus Person. Aber nun zum eigentlichen Text:

Zum einen erweckt Steffen Raabe sprachlich den Eindruck er forsche an einem Impfstoff: “Wir forschen aber seit weit mehr als 10 Jahren an derartigen Impfstoffen”. Richtigerweise müßte er sagen: “Virologen und andere Forscher” arbeiten seit Jahren daran. Er als Kinderarzt, der gegen Impfen ist, wohl eher nicht.

Die zweite Aussage ist: „Eine besondere Schwierigkeit ist noch, dass bei einem großen Teil der Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus völlig neue Impfstoff-Technologien verwendet werden, etwa die mRNA-Technologie“. Das ist halb richtig: CEPI zählt 119 Ansätze, die derzeit in der Entwicklung sind. Mit allen möglichen unterschiedlichen Techniken zur Impfstoffentwicklung. Eben nicht nur mRNA.

Richtig absurd werden die Antworten aber, wenn Raabe sagt: “Schon von den konventionellen Impfstoffen auf dem Markt, erzeugt nur ein kleiner Teil Herdenimunität”. Das hat vielleicht mit dem Impfstoff aber sicher auch mit der Impfquote in der Bevölkerung. Es sind ja Ärzte gerade wie er, die die Impfquote niedrig halten, in dem sie Eltern mit Unsicherheiten vom Impfen abraten oder es verzörgern. Wodurch eben die bei den sehr ansteckenden Masern notwendigen 95% nicht erreicht werden.

Auch auf seinem Blog stehen seltsame Dinge, so unterstellt er etwa Herrn Drosten faschistoide Gedanken im Bezug auf die mögliche Corona Warn App. Weil dieser im Podcast ausgeführt habe, man könne diese auch bei einem starken Ausbruch „schärfer Stellen“, so das bereits Menschen die nur Symptome zeigen, aber (noch) nicht getestet wären, ihre Kontakte warenen könnten.

Ich finde Steffen Raabe als kompetenten Interviewpartner ungeignet, Impfablehnung ist sein Buisness und er stellt auch eine Reihe von Behauptungen auf, die meiner Meinung nach zumindest verkürzend, aber eher falsch sind und wird damit nicht konfrontiert oder eingeordnet.

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Übrigens: diese kruden Thesen „an Masern sterben nur 6 Kinder pro Jahr in Deutschland, deshalb braucht man keine Impfpflicht“, sind es mit denen die Leute mit Schwedenfahne auf den Coronarebellen Demos, argumentieren.

Wirr ist das Volk oder jedem seine Bühne

23. Mai 2020
Maximal 200, gefühlt mehr Polizei als Demonstranten.

Heute hat es endlich mal wieder geregnet in Freiburg. Was nach dem warmen Wetter der letzten Tage und der Dürre in der Rheinebene erfrischend war. Der ordentliche Regen hielt weder Greenpeace noch die Seebrücke davon ab für ihre Anliegen zu demonstrieren. Aber die „Freunde der Freiheit“, die ihre Demo auf dem Münsterplatz absagten. Da will man aufstehen gegen das Merkelregime mit seiner krassen „Ausgangssperre“ und dann wird man vom Wetter abgehalten.

So versammelte sich „Das Volk“ an zwei Orten. Rund um den Bertholdsbrunnen mit einer Demo gegen die Coronaleugner.

Die spulten in Redebeiträgen alltbekanntes aus den linken Forderungen, irgendwo zwischen Abschaffung des Kapitalismus, nein zum Polizeigesetz und gegen Privatisierungen im Gesundheitssystem ab. Übrigens konsequent mit Maske.

Auf dem Platz der alten Synagoge hatten sich nicht mehr als 200 Corona Rebellen aus der „nicht ohne uns“ bzw. „Zentrum Demokratischer Wiederstand“ Gruppe in Freiburg versammelt. Eher weniger. War auch kalt und regnerisch, deswegen entfiel demonstratives meditieren. Dafür gab es Musik oder sowas ähnliches. (Achtung: kann Musiker oder andere Menschen mit sensiblen Ohren verstören)

Es wurde auch versucht die Nationalhymne zu spielen, das klang aber noch weniger geübt. Angekündigt waren Strophen 1 und 2, ausgeteilt wurde der Text für Strophen 1 und 3. Die dritte Strophe des Deutschlandlieds ist die Nationalhynmne, alles andere halt ein Lied. Darf man auch spielen, ist halt „nur“ schlechter Geschmack.

Und auch einen „gut recherchierten“ Redebeitrag, in dem behauptet wird, die Antifa GmbH, werde von CDU, SPD und Grünen finanziert und die Antifa-Demoteilnehmer bekämen 25 EUR pro Stunde. Die Rede fand dann sogar der Herr mit „Wiederstand 2020“ Jacke so schräg, das er aufrief doch über Corona zu reden.

Ein Bekannter lies sich von der Rednerin erläutern woher sie diese Informationen habe. Und sie zeigte ihm die Belegstellen. Etwa einen Artikel des „Basler Express“: „Recherchen des als Russland-getreuen Propagandasender diffamierten TVKanals «RT» zufolge besteht die Antifa aus mehreren Organisationen von der Antifa GmbH über die Antifa-Gewerkschaft bis hin zum Antifa-Verein. Diese erhalten Geld von der deutschen Bundesregierung, den Parteien SPD, CDU und den Grünen sowie einzelnen sozialistisch-kommunistisch orientierten Verbänden.“ Und einen Satirischen Artikel aus der TAZ, jetzt könnte man beim aufmerksamen Lesen, sehen das eine Person namens P.Flasterstein, die im Artikel vor kommt… Aber klar passt nicht ins Weltbild.

Das dramatische ist – Menschen die die ganze Zeit behaupten, man solle alles kritisch überprüfen – scheitern hier schon an einer einfachen Quellenkritik oder grundlegender Medienkomptenz. So etwa diesen Artikel im Watson über die „neue Basler Aluhut-Zeitung“, die mit einer bunten Mischung aus Verschwörungstheorien und Spekulativem… Sie wissen was ich meine.

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Übrigens passierte dann nicht, es hielten sich die Teilnehmer kaum an die Munschutzvorgaben und wenn man sie darauf hinwies, behauptete etwa eine Dame, sie sei nur bei Spazierengehen und auf dem Markt gewesen.

Weil es die Demo auf dem Münsterplatz nicht gab, waren heute auch Menschen aus dem AfD Umfeld anwesend. Daneben soll einer der Organisatoren ebenso aus dem Umfeld der AfD stammen, das konnte ich aber nicht prüfen ob das stimmt.

Dann hatte ich nach der Demo noch ein Gespräch mit den Leuten, die die Schwedenfahne hochhielten und vor dem Gesicht trugen. Zum einen hatte ich den Eindruck, das von inzwischen falschen bzw. überholten Annahmen ausgegangen wird („Bereits 30% haben Antikörper“), als auch, dass sie wenn ich Dinge sagt, die nicht ins Weltbild passten, nie darauf eingingen und immer das Thema wechselten. Auch kamen sehr befremdliche Aussagen: „An Masern sterben ja in Deutschland jedes Jahr nur sechs Kinder“, worauf ich entgenete: „Aber wenn sie Vater eines dieser Kinder wären, dann würden sie sich ja schon wünschen, das man es rettet“, „das kann man so nicht sagen, das ist ja wie früher beim Verweigern, da wurde man auch so gefragt.“

Das ist eine kleine Minderheit und ich finde, man sollte sich mit ihr nicht weiter beschäftigen.

Leserbrief zu „Abgrenzung gegen rechts und links“ Badische Zeitung vom 18.5.

19. Mai 2020

Im Bezug auf die Kundgebung am Münsterplatz heißt es im Artikel: „Auch die Nähe zu Rechtsextremen oder Antisemitismus stritten sie ab“. Die Veranstalter wollen sich „weder von links und rechts vereinnahmen lassen“.

Wer eine Serie von Kundgebungen veranstaltet auf der:

  • angeleitet wird im ein Sprechchor „Antifa SA“ zu brüllen, während die Polizei die eine Gruppe Gegendemonstranten gerade entfernt (siehe dazu etwa dieses Youtube Video)
  • in einer Rede die Maskenpflicht beim Einkaufen mit dem Judenstern gleichgesetzt wird,
  • deshalb und wegen anderer Aussagen der Redner bei der Polizei mehrere Anzeigen wegen Volksverhetzung eingehen,
  • ein Plakat mit „Lebenslänglich für Drosten“ hochgehalten wird,
  • Menschen T-Shirts mit rechtsextremen Sprüchen tragen,
  • Lokaljournalisten namentlich angeht,
  • Menschen rote Armbinden und Mundschutz tragen, wo ein weißer Aufnäher mit stilisieren schwarzen Virus zu sehen ist, der an eine Hakenkreuz Armbinde erinnert. Dies wird vom Extremismusexperten Matthias Quest als „bildsprachliche Versuch, die aktuellen Maßnahmen mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen“ und Verharmlosung des NS gewertet, was im Kern selbstverständlich „rechts“ sei.
  • in den Vorbereitungsgruppen auf Telegramm unwidersprochen reichsbürgerliche, den Nationalsozialismus verharmlosende und rassistische Inhalte geteilt werden,

dessen ‚Abgrenzung nach Rechts‘, dürfte gescheitert sein.

Und wer nicht weiß, wie er sie eine Abgrenzung praktisch bewerkstelligen kann, der hätte nun wirklich genug Zeit gehabt, sich beim Ordnungsamt, der Polizei, der Landeszentrale für politische Bildung, den Soziologie Lehrstühlen der Freiburger Hochschulen, politischen Parteien, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen oder dem Antirassismus Referat des Studierendenparlaments zu informieren, wie man seine Veranstaltung weniger ‚rechtsoffen‘ gestaltet.

Nicht jeder Demonstrant ist Verschwörungsideologe oder Rechtsradikaler, aber jeder Demokrat hat auch die Verantwortung nicht bei Verschwörungsideologen und Rechtsradikalen mitzulaufen, auch wenn er Sorgen hat. Denn gerade diese Sorgen vieler Menschen, etwa um Kontakt zu Angehörigen in Altersheimen, über die eigene wirtschaftliche Existenz oder die Belastung durch den Spagat zwischen Heimbeschulung der Kinder und Arbeit, werden durch die Gesellschaft, in der sie vorgetragen werden, in ein schlechtes Licht gerückt.