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Haben diese Schüler eine Ahnung von den Kindern, die auf Müllkippen leben?

15. Dezember 2019

Am 9.12.19 erschien ein Leserbrief in der Badischen Zeitung, der mich einigermaßen fassungslos zuürck gelassen hat. Ich habe als Antwort einen eigenen Leserbrief verfasst.
„Haben die Schüler eine Ahnung von den Kindern, die auf Müllkippen leben“ Mo, 09. Dezember 2019 von Hans-Joachim Buhmann.

Der Leserbrief läßt mich einigermassen fassungslos zurück. Zunächst fragt der Autor – rhetorisch – ob die Demonstrierenden Jugendlichen Ahnung hätten von Kindersoldaten, dem Zustand in asiatischen Textilfabriken, den Abbaubedingungen für Lithium in Bolivien, Slumbewohnern oder Kindern die sich zu Tode kiffen.

Abgesehen davon, dass „sich Tod kiffen“ im Gegensatz zu anderen Drogen relativ schwierig ist, vermute ich aus meiner persönlichen Kenntnis von jungen Menschen, die an Friedas for Future Demonstrationen teilnehmen, dass diese darum wissen. Die jungen Menschen diskutieren auch in Arbeitsgruppen sehr informiert über die von ihnen genannten Probleme und Fragestellungen und fordern etwa Sozialstandards und gerechte Handelsbedingungen, weniger Konsum, tragen alte Kleidung auf, recyceln oder versuchen sich anderweitig umweltgerecht zu verhalten.

Aber mal als Gegenfrage: Wenn die Klimakrise sich verschärft, werden dann nicht die Bangladeschischen Textilarbeiterkinder einfach absaufen? Die Slumbewohner der Welt an Hitzewellen krepieren? Und noch mehr Kinder gezwungen in Konflikten um Wasser und Nahrungsmittel zu kämpfen? Wieweit entstehen deren Schicksale durch unseren Lebensstil? Wäre ein Klimafreundlicher Lebensstil, der nachhaltig mit Ressourcen umgeht, nicht auch einer der den genannten Kindern hilft? Oder zumindest ihr Schicksal nicht weiter verschlimmert?

Gegen Ende des Leserbriefs fragt Herr Baumann dann noch: „wie setzen sich die deutschen FFF-Demonstranten sich eigentlich mit Gretas Bekenntnis zur Kernenergie als sauberer Energie auseinander?“ Auch die Frage ist rein rhetorisch und irreführend. Greta Thunberg hat am 17.3.2019 deutlich auf Facebook geschrieben: „Persönlich, bin ich gegen Kernenergie“.

Am Ende meines Leserbriefs möchte ich fragen: Haben sie eigentlich Ahnung von den Forderungen von FFF? Was tun sie gegen die von ihnen angeführten schlimmen Schicksale der Kinder? Würden sie Greta weniger kritisieren, wenn sie über den Atlantik geflogen wäre, anstelle sich auf einem Segelboot mitnehmen zu lassen? Wissen sie das Greta über sich selbst gesagt hat, sie sei „eine der glücklichen Kinder“?

Wie bringt man 16 und 17 Jahre alte Menschen zum Wählen?

1. Juni 2015

Warum ist die Wahlbeteiligung der 16 und 17 Jahre alten Wähler in großen Städten in Baden-Württemberg so unterschiedlich?

wahlbeteiligung

Die Daten stammen von: Städtetag Baden-Württemberg (2014): Städterückmeldungen auf Städtetagsrundschreiben R24249/2014 vom 21.05.2014. Abgerufen am 29.05.2015 unter: http://www.jbw.de/fileadmin/Bildmaterial/News/Wahlbeteiligung_der_16-_und_17-Jaehrigen_bei_der_GR-Wahl_2014.pdf

Warum gehen im gleichen Bundesland in der Universistätsstadt Freiburg ca 16 % mehr der 16 und 17 Jährigen wählen und was kann man Gemeinden raten um die Wahlbeteiligung dieser Zielgruppe zu erhöhen?

Damit setze ich mich in einem Wettbewerbsbeitrag für die Stiftung der Rechte zukünftiger Generationen auseinander, den ich zusammen mit Urs Unkauf und Philipp Oser geschrieben habe.

Wir haben uns zunächst die Aktivitäten in zwei Städten mit hoher Wahlbeteiligung (Freiburg und Esslingen) und dann die in Städten mit niedriger Wahlbeteiligung (Konstanz und Karlsruhe) angeschaut. Dabei sind unsere Grundannahmen:

1. Politische Mobilisierung kann die Wahlbeteiligung junger Menschen erhöhen.

2. Die Wahlbeteiligung junger Wähler steigt, wenn einer oder mehrere der folgenden Faktoren im Wahlkampf eine Rolle spielt/spielen:
a) Jugendpolitisch ‚relevante‘ Themen,
b) Bildungsangebote,
c) ‚Junge Kandidaten‘.

Um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten, wurden von uns hierzu unterschiedliche Methoden der Datenerhebung verwendet. Diese reichen von der Analyse relevanter Dokumente (zum Beispiel Wahlprogramme, Wahlberichterstattung in Print- und Onlinemedien, Wahlanalysen) über nicht-standardisierte Telefonbefragungen mit Experten aus beteiligten Organisationen, zum Beispiel von der Jugendarbeit, öffentlichen Behörden, den Parteien, Wählervereinigungen, Fraktionsmitarbeitern oder lokalen Medienvertretern. Aus der Analyse dieser Fallstudien haben wir abschließend Empfehlungen für kommunale Handlungsstrategien entwickelt, die Kommunen, politische Organisationen und die Zivilgesellschaft dabei unterstützen sollen, die Wahlbeteiligung junger Menschen zu steigern.

Deshalb meinen wir: Es scheint an einer Vielzahl von Faktoren zu liegen  und das Bemühen der ‚ganzen Stadt‘ nötig zu sein, um junge Menschen zum Wählen zu motivieren. Es ist interessant, dass in den beiden Städten mit hoher Wahlbeteiligung die maßgeblichen Träger der Mobilisierung lokale Akteure mit großer Vernetzung und vielen Beziehungen in die Zivilgesellschaft waren (vgl. Jugendbüro in Freiburg und Stadtjugendring in Esslingen).

Und ganz klar: Es ist möglich die Wahlbeteiligung junger Menschen in einer Gemeinde zu steigern!

Es liegt an den Trägern der (politischen) Jugendbildung, also den Jugendbüros der Gemeinden, der Landeszentrale für politische Bildung, den freien und verbandlichen Trägern der Jugendarbeit, eine größtmögliche Zahl junger Menschen möglichst persönlich zu kontaktieren und ihnen dabei die Bedeutung der Kommunalwahl deutlich zu machen bzw. sie zum Wählen zu motivieren.

Ein gutes Beispiel sind die vom Freiburger Jugendbüro durchgeführten Schulbesuche und Aktionstage. Dies kann mit verhältnismäßig geringen Mitteln und in Zusammenarbeit mit den Schulen geleistet werden. Der Esslinger ‚Wahlbus‘ kann ebenfalls als ein Beispiel dafür angeführt werden, wie junge Menschen mit geringem Mitteleinsatz zur Wahlteilnahme aktiviert werden können.

Foto vom Wahlaktionstag des Freiburger Jugendbüros im Rathaus. Quelle: http://16plus.freiburgxtra.de/wp-content/uploads/2014/05/JBW-Waehlen16+_2842.jpg Mehr Informationen: http://16plus.freiburgxtra.de/

Es liegt an den politischen Parteien, junge Kandidaten auf Listenplätzen zu platzieren, auf denen sie auch eine aussichtsreiche Wahlchance haben.

Es liegt dann an lokalen Akteuren aus dem politischen Umfeld (Parteien, Me-dien, Jugendverbänden, Bürgervereinen etc.), Themen, die junge Menschen inte-ressieren, öffentlich zu diskutieren.

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Jugendarbeit auf dem Flugplatz

21. Januar 2015

Von den Stadiongegnern wird immer wieder erzählt, dass durch den Bau des neuen Stadions die Jugendarbeit der Fluplatzvereine gefährdet werde. Da ist es doch ganz spannend mal zu wissen, wieiviele Jugendliche da in den Vereinen so sind.

Deshalb habe ich bei der netten Frau vom Luftsportverband Baden e.V. nach einer Liste gefragt:

luftsportvereine_mitglieder

Es gibt weitere Vereinigungen am Freiburger Platz, die allerdings nicht Mitglied im LVB sind: Experimentalflug, Pilotenvereinigung und mehrere Ballonfahrer-Vereinigungen.

Die riesen Menge an Jugendlichen und Kindern ist es nun nicht.

Woher sollen die Kinder auch kommen: Fallschrimspringen lernen darf ich ab 14, Fallschirm alleine springen darf ich ab 16. Mit der Ausbildung zum Segel-Piloten darf ich ab 14 Jahren anfangen. So eine Mitgliedschaft ist sicher nicht teuer, das kann man sich als Normalverdiener sicher leisten, aber eben auch nichts für Menschen mit wenig Einkommen.

Reisen durch die Beteiligungslandschaften

15. Dezember 2014

Die Forderung Bildungslandschaften zu Beteiligungslandschaften umzubauen, stammt vom Bundesnetzwerk Kinder- und Jugendbeteiligung.

Letzte Woche war ich am Freitag in Tübingen, wegen des gemeinsamen Artikels über Jugendgemeinderäte, den ich mit Urs Unkauf schreibe. Wir haben von unserem Professor noch einige Hausaufgabe bekommen bis der Artikel Publikationsreif ist.

Am Donnerstag durfte ich für die AWO bei Bonn eine Methodenfortbildung zur Beteiligung von benachteiligten Jugendlichen geben. Jetzt ist die Beteiligung von Benachteiligten sicher das schwierigste Feld auf dem ganzen Gebiet der (Jugend-) Beteiligung. Per Definition schon: Wer benachteiligt ist, der ist eben nicht beteiligt.

Ich habe versucht basirend hauptsächlich auf dem Methodenkoffer der Bundeszentrale für politische Bildung, einige Methoden den TeilnehmerInnen vorzustellen und einige auch durchgeführt.

Hoffentlich konnte jeder etwas davon mitnehmen. Im Bild das 11-Worte Telegramm der Teilnehmer zum Ende.

Fortbildung Moderation

Hoffentlich wird dieses ambitionierte Projekt der AWO Erfolge zeigen. Gerade diese Zielgruppe, wird eben von vielen traditionellen Beteiligungsmethoden und Verfahren nicht erreicht. Übrigens Erwachsene aus diesen Millieus eben auch nicht.

Meine Botschaften waren:

  • Beteiligung geht immer. Auch beim Notfall!
  • Beteiligung braucht Zeit.
  • Beteiligung braucht Ressourcen.
  • Beteiligung ist eine Haltung.
  • Beteiligung muss gewollt sein.
  • Beteiligung muss klare Grenzen haben und diese deutlich Kommunizieren.
  • Beteiligung ist nicht gleich Entscheidung.
  • Beteiligung muss scheitern dürfen.

In diesem Sinne hoffe ich den erfahrenden Fachkräften, die aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen kamen, einige Tipps und Hinweise auf den Weg gegeben zu haben. Aber jeder muß für sich entscheiden wie er seine Beteiligung vor Ort durchführt.

Ich würde mich freuen wenn ich in Zukunft viele weitere inspirende Beteiligungsworkshops durchführen könnte. Die Diskussionen am Rande waren sehr interessant.

Podi mit den 8 Bürgermeisterkandiadaten in Grenzach-Whylen

20. Oktober 2014

Publikation1Ich darf am Donnerstag die Podidumsdiskussion mit wahrscheinlich 7 der 8 Kanidierenden für das Amt des Bürgeremeisters in Grenzach-Wyhlen moderieren.

Im Vorfeld hat das dortige Jugendbüro und die Schulen schon vorarbeit geleistet, so das ich sicher bin, das auch viele Jugendliche zur Veranstaltung kommen werden.

Die Badische Zeitung scheint sich auch schon auf die Veranstaltung zu freuen: „Vom Ablauf ist der Abend so geplant, dass am Eingang und auf den Plätzen viele Kärtchen liegen, auf die man Fragen und Probleme notieren kann. Die Veranstalter wollen damit erreichen, dass alle ungezwungen hingehen und Fragen stellen können, ohne dass jemand vortreten müsste. Moderiert wird dann von dem Moderator Sebastian Müller, der als Regeln vorgeben wird, dass eventuell anwesende Erwachsene sich zurückhalten sollen. Immerhin ist es ein Abend für die Jugend. Jeder Kandidat hat dann vier Minuten, um sich vorzustellen, danach wird Müller aus den eingegangenen Kärtchen die „Hot-Topics“ auswählen…“
Die Jugend redet bei der Wahl mit (veröffentlicht am Sa, 18. Oktober 2014 auf badische-zeitung.de)

Ich bereite mich derzeit schon intensiv vor, lese die Grenzacher Zeitung(en) und recherchiere damit es ein spanneder Abend werden wird.