Posts Tagged ‘Kriminalität’

Template für die Stadt in Angst Reportage

18. November 2018

Stadt in Angst – Template für die Berichterstattung aus einer Provinzstadt nach einem schweren Verbrechen.

Das Template gilt für überregionale bzw. nationale Medien. Zunächst ist es für Printmedien gedacht, das Template kann aber mit kleinen Änderungen auch für Radioreportagen oder Fernsehberichte genutzt werden.

Begriffsklärung:

Provinzstadt = Stadt zwischen 20.000 und 400.000 Einwohnern, in denen keine bundesweit bedeutenden Medien beheimatet sind.
“schwere Verbrechen” = Verbrechen, deren öffentliche Bedeutung von rechtsextremen Parteien im medialen Diskurs gehalten werden. Zur Verdeutlichungung:
→ Deutscher Tatverdächtiger bringt Ausländer um → keine Berichterstattung.
→ Ausländischer Tatverdächtiger bringt junge Deutsche Frau um → Berichterstattung.

Einleitung / Set the scene:

Name der Stadt. Dann Vokabeln wie pittoresk, beschaulich, friedlich, schön.
Beschreibung eines Touristenorts: etwa zentraler Platz vor der Kirche/Marktplatz / schönes Gebäude und entspannte / unbekümmerte Menschen, gerne im Café, beim Einkaufen, oder ähnlichen Alltagserledigungen, die im öffentlichen Raum stattfinden.

Die schönsten Ecken von Freiburg. Hier die sogennnate Säule der Toleranz auf dem Augustinerplatz.
Bild aus: http://www.badische-zeitung.de/fotos-die-haesslichen-ecken-von-freiburgs-innenstadt

Nächster Absatz, harter Schnitt. Beschreibung des Tatorts, wo es in der Regel weniger schön ist, Polizeiautos, Polizisten sind da oder die Abwesenheit von Polizisten wird notiert, gerne mit dem Kommentar, dass es ganz normal wirkt. Dann noch der Hinweis, dass nicht wirklich etwas zu sehen sei. In Deutschland fehlen halt die Einschusslöcher. Man kann auch, wenn man zu spät da war, erwähnen, wie schnell alles schon gereinigt wurde.:

Die schönsten Ecken von Freiburg. Hier: Dachgiebel.
Bild aus: http://www.badische-zeitung.de/fotos-die-haesslichen-ecken-von-freiburgs-innenstadt

Die Stimmen des Volks

Jetzt kommt die Vox Populismus Umfrage – als Reporter will man schließlich zeigen, man war vor Ort. Also ungefähr vor Ort, daher meist irgendwo in der Innenstadt oder wo man eben Leute trifft. Wenn es gar nicht anders geht und man nur wenig Zeit hat, fragt man den Taxifahrer.
In der Regel aber sind es zwei bis drei junge Frauen mit den gleichen sozio-demographischen Merkmalen wie das Opfer. Da es sich beim Opfer dieser Reportagen immer um junge, blonde Frauen handelt, werden auch hier junge blonde Frauen, manchmal auch brünette, aber stets ohne sichtbaren Migrationshintergrund, befragt.

Template Antwort Nummer 1: “Ich habe ja keine Angst, aber Eltern/Mama/Freund/Bruder haben gesagt, dass…”
Template Antwort Nummer 2: “Man achtet jetzt schon mehr darauf, dass man abends nicht alleine weggeht/nur gemeinsam von der Disco heim/gemeinsam ein Taxi/vorher schreibt, dass man jetzt geht/…”. Es wird irgendeine Verhaltensweise beschrieben, die die gefühlte Sicherheit erhöht.
Template Antwort Nummer 3: “Ich komme aus Berlin-Kreuzberg/war auf der Rütli Schule/aus der Banlieu (sehr gut ein bisschen was internationales ist in einer Unistadt immer gut, man hat auch was gegen Rassismus im Artikel getan)/ Düsseldorf-Marxberg/Chemnitz/generischer Krisenstadtteil, ich habe keine Angst.”

Ganz wichtig ist hier immer eine unbesorgte, eine besorgte und eine nonchalante, starke Frau auftreten zu lassen. Frauen sind ja die Opfer, aber sollen ja auch irgendwie nicht nur als solche Opfer dargestellt werden. Daher braucht es mindestens zwei bis drei dieser Stimmen – Die Stimmung ist ja immer bisschen anders und man ist ja differenziert. Denn nur verängstige Frauen, auch wenn man die braucht und sucht, kommen auch nicht gut.

Der Rechtspopulist

Konterpunkt, Eintritt des Wilden, meist in Gestalt des lokalen oder regionalen Rechtspopulisten. Auch hier Äußerungen, die von einer nur mäßig trainierten KI abgesondert werden können: “Volk in Wut/könnnen unsere Frauen nicht mehr nachts alleine rauslassen/Abschieben/Messermigranten/…”

Die krassesten Sachen werden von der Reportage dann meist herausgestrichen “Umvolkung/Merkel muß weg/Volksverräter/…”.

Aber immerhin hat man diesen Teil des Spektrums beleuchtet, der sagt ja vielleicht, was das Volk denkt – oder zumindest was man in der Redaktion einer überregionalen Zeitung für das Volk hält oder die Leute, die Artikel kommentieren werden, für das Volk halten.

Der oder gerne die links grün versiffte Gutmensch

Jetzt noch ein paar Zeilen von der Gegenseite. Der links grün versiffte Gutmensch in Gestalt des oder der entsetzten Flüchtlingshelferin. „Wie sind ganz entsetzt/dass der XX das gemacht hat, kann ich mir gar nicht vorstellen“

Die Politik

Der Bericht dreht nun, weg von der Straße in die Amtsstuben. Zunächst ist man beim lokalen Bürgermeister, häufig auch historisches Büro, bekommt man da keinen Termin, geht auch jemand anderes aus dem lokalen politischen Umfeld, Bürgermeister sollte es aber schon sein.
Auch hier im Grunde generische Aussagen: “Man soll sich sicherer fühlen/ tun alles um die gefühlte Sicherheit zu verbessern/ Ich habe auch Frau und Kinder/ Mitgefühl/kein Pauschalisieren/ Ruhe bewahren.”

Der Oberpolizist

Als nächstes ist man beim lokalen Oberpolizisten. In der Regel älterer Mann, der spricht mit ruhiger und besonnener Stimme, meist auch in seinem etwas moderneren Büro. Verteidigt gegen den routinemäßig erhobenen Vorwurf der Schlamperei/Inkompetenz/Bummelei. Man arbeite ‚mit Hochdruck/ drölfzig Polizisten in der SoKo/gebe bereits Erfolge/mehr Polizei/ggf.‘

(more…)
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Wird Freiburg immer krimineller?

26. Februar 2018

Kürzlich war die Debatte wieder da: Freiburg werde immer krimineller und man brauch um die schlimmsten Auswüchse zu bekämpfen einen Kommunalen Ordnungsdienst, dessen Aufgabe ja Ordnungswiedrigkeiten sind und nicht Straftaten. Schauen wir doch einfach mal was die Statistik hergibt und auf die Kennzahl die gerne von Kriminologen verwendet wird: Morde.

Morde_inFreiburg

Zunächst mal die absoluten Zahlen: 1974, 1993 und 2016 gab es in Freiburg 12 mal Mord und Totschlag. Im Durchschnitt 1974 – 2016 sind es jeweils 7 mal Mord und Totschlag. 1974 hatte Freiburg 179.196 Einwohner, 2015 hatte es (das sind das letzte Jahr von dem ich Zahlen gefunden habe) 226.393. Also 47.197 mehr!

mordepro100000

Rechnet man deshalb Morde und Totschlagsdelikte auf 100.000 Einwohner, kommt man auf diesen Verlauf oder schöner auf dieses Histogramm:

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Daher es gibt eine Reihe von Jahren (1974, 1993, 1988, 1985, 1980, 1987) die waren wesentlich tödlicher als 2016. Und auch 2016 hat die gleiche Mordrate / Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner wie 1986. 1992, 1990, 1977 und 1994.

Siehe dazu auch diesen Tweet von mir:

Im Fr.itz sind nur die Daten seit 1974, daher kann ich nicht weiter zurückschauen. Was aber spannend wäre.

Die Datei mit der ich schnell mal die Berechnungen gemacht habe findet sich hier (xls) Übersicht Kriminalstatistik

Update: Raubüberfälle:

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Ist Deutschland unsicherer geworden?

5. September 2017

Es ist nun wieder Wahlkampf und das Thema „innere Sicherheit“, gerne vermischt mit Flüchtlingen und Migration wird wieder gekocht. Zum einen weil sich spekatkuäre Berichte über die Gewalt von einzelnen Geflüchteten gut in den Meden verkaufen und das Thema auch Quote bei den Talkshows generiert. Zum anderen weil gerade Parteien auf der rechten Seite des politischen Spektrums.

Deshalb möchte ich hier auf meinem Blog mal ein wenig mit den objektivierbaren Statisiken und Zahlen arbeiten. Die Daten habe ich jeweils aus öffentlichen Quellen und diese sind jeweils verlinkt. Bei den meisten Statistiken sind nur Zahlen bis Ende 2015 verfügbar.

Zunächst mal zur Kriminalität:

Sozialwissenschaftler ziehen da gerne Morde heran, da Morde recht klar sind und in Schweden und England sich die Zeitreihen sehr lange, teils bis in die frühe Neuzeit zurückverfolgen lassen. Zudem ist die Definition auch über kulturelle und staatliche Grenzen eindeutig. Deshalb gelten Morde als ein verzerrungsfreier Indikator für die Höhe der Kriminalität einer Gesellschaft. Einen schönen Artikel gibt es von Birger Antholz, Kriminologe aus Hamburg in Die Kriminalpolizei„, dem Blatt der Gewerkschaft der Polizei:

Die Anzahl der Morde ist 2015 trotz erheblichem Bevölkerungszuwachs (BRD+ DDR 1970 78 Mio) auf dem Niveau der späten 1960er Jahre.

Wie schreibt der Autor so schön: „Dass ausgerechnet die Ostdeutschen, die die Mordkriminalität nach der Wiedervereinigung wie man am Graphen erkennen kann regelrecht nach oben katapultiert haben, jetzt die Flüchtlinge von 2015 thematisieren, ist angesichts der eigenen Historie unangebracht. Für 2014 zu 2015 kann man die Entwicklung wie bei internationalen Vergleichen üblich anhand der Mordopferzahlen verfolgen. Diese sind von 2014 zu 2015 von 624 auf 589 vollendete Mord- und Totschlagopfer gefallen. Weil gleichzeitig 890 000 Flüchtlinge zugewandert sind, kann man sagen, dass die Flüchtlinge zu keiner Erhöhung der Morde und Totschläge in Deutschland geführt haben. „

Fazit: Eher wohl nicht.

Werden denn wenigstens, so wie es gelegentlich in den Medien auftaucht, die Kinder- und Jugendlichen immer krimineller?

Auch hier muß man genau hinschauen, aber: „Welche der verschiedenen Messinstrumente auch immer gewählt werden – sie zeigen, dass Jugendkriminalität in ihren leichten Formen ubiquitär ist, dass sie bagatellhaft und vor allem episodenhaft ist. Einen empirischen Beleg gibt es weder für eine zunehmende Brutalisierung noch für eine Zunahme des Anteils der Mehrfachtäter. “ schreibt Prof. Dr. Wolfgang Heinz in einem Dossier für die Bundeszentrale für politische Bildung.

Daher, junge Menschen probieren sich aus, sie probieren auch aus, wie es ist mal eine kleine Straftat zu begehen, etwas Kaputt zu machen oder wenn man sich prügelt. Aber das Wächst sich heraus. Der Peakt ist von 18 – 22 Jahren und danach ist es ohne Probleme. Und viel wichtiger, auch diese Taten sind insgesamt rückläufig:

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Spitze im Jahr 2005 und danach geht die Jugendkrimialität wieder zurück. Quelle: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gangsterlaeufer/203562/zahlen-und-fakten?p=all

Daher Jugendkriminalität ist insgesammt wieder auf dem Nieau des Jahres 1995. Es gibt einzelne Migrantengruppen die sind genauso problematisch wie die Deutschen Kinder und es gibt welche die sind Krimineller.

Gibt es denn wenigstens mehr Terror?

Fast. Schaut man sich auc hier die Zeitreihen an, dann kann man sehen, dass die 2000er Jahre in Westeuropa sehr friedlich waren. Damals gab es kaum Terroranschläge und wenn dann richteten sie sich gegen Ausländer (etwa die NSU). Seit ca 2015 gibt es spektakuläre Anschläge in Westeuropa. Weltweit findet die Mehrheit der Anschläge übrigens im Mittleren Osten statt.

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Kaum Teror in Westeuropa zwischen 1998 und 2010 , erst ab ca 2015 kommt es wieder verstärkt zu Terroranschlägen mit Toten. Die Mehrheit der Anschläge passiert im Nahen Osten. Quelle: http://www.watson.ch/Wissen/Schweiz/982459207-Die-vergessenen-Jahre-des-Terrors–In-den-70ern-und-80ern-zogen-Terroristen-eine-Blutspur-durch-Europa

Fazit: So ein bischen. Die Chance an einem Terroranschlag zu sterben sind aber nachwievor minimal.

Was sonst noch mit Sicherheit zu tun hat?

Schauen wir aber nun mal Dinge an, die nicht mit Kriminalität zu tun haben, aber durchaus auch etwas über die Sicherheit aussagen können: Arbeitsunfälle, Raufunfälle an Schulen, Verkehrstote un die Lebenserwartung.

Verkehrstote:

Im Grunde gibt es so wenig Verkehrstote, wie seit dem Beginn der statistischen Erfassung nicht. Obowohl der Verkehr, etwa die zurückgelegten Kilometer deutlich zugenommen hat.

„Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, nahmen dagegen um 3,9 % auf rund 302 400 zu. Dabei verloren 3 377 Menschen ihr Leben, 38 Personen oder 1,1 % mehr als im Vorjahr. Insgesamt lag die Zahl der Verkehrstoten aber immer noch auf dem zweitniedrigsten Stand seit 1950.“ schreibt das Statistische Bundesamt 2015.

Raufunfälle

Sogennate Raufunfälle, daher wenn Kinder auf dem Schulhof oder sonstwo miteinander „Raufen“, werden von der gestzlichen Unfall erfasst. Sie sind daher schon ein Maß für die Verletzungen die in Schulen passieren. Sie haben sich seit 1993 um ca 1/3 reduziert. (Pinke Linie)

 

Arbeitsunfälle

Obowohl die Anzahl der Erwerbstätigen gestiegen ist und in vielen Bereichen über eine Verdichtung des Arbeitspensums geklagt wird: auch die Anzahl der Arbeitsunfälle, die von den Unfallversicherungskassen erfasst wird, hat sich halbiert.

Lebenserwartung

Nie war die Lebenserwartung so hoch wie heute. Sie beträgt für Frauen inzwischen 88,4 Jahre.  (Siehe https://de.statista.com/…/entwicklung-der…/

Fazit

Daher unser Land wird – auch wenn man nicht nur auf die Kriminalität schaut – sondern auch auf viele andere Faktoren  immer sicherer. Es gibt weniger Gewalt, weniger (tödliche) Unfälle, etc… .

Daran ändert auch die persönliche Wahrnehmung, die durch Medienberichterstattung und einzelne spekatkuäre Taten geprägt ist nichts.

„Kriminalstatistik“

28. April 2016

So nachdem ich etwas rumtelefoniert habe und auch bon der Polizei zurückgerufen wurde kann ich folgendes sagen: Aufgrund der Kriminalstatistik kann man weder sagen, dass die Taten durch Syrer oder andere Flüchtlinge, die im Laufe der aktuellen „Flüchtlingskrise“ nach Freiburg kamen, zugenommen haben haben oder nicht. Man kann auch nicht sagen, sie hätten unterproportional oder überproportional zugenommen, wie es die BZ schlußfolgert.

Denn die Polizei liefert bei der Kriminalstatistik nur einen Ausganngswert. Das bedeutet fahre ich etwa am 1.12.2015 schwarz und werde erwischt, dann kann es sein dass die VAG sagen wir mal 2 -3 Wochen braucht mich anzuzeigen. Dann geht das zur Polizei, die bearbeitet das. Braucht dafür auch noch mal 2 bis drei Wochen, ich will hier keinem unterstellen er sei langsam, aber es gibt ja auch dringlicherers. Es kann also gut sein, das selbst bei einem recht einfachen Fall wie diesem, das ganze erst nach dem 1.1.2016 an die Staatsanwaltschaft geht. Sprich ich tauche erst in der Kriminalstatistik 2016 auf, die irgendwann im Frühjahr 2017 veröffentlicht wird. Dabei handelt es sich noch um einen recht einfachen Fall, weil die Ermittlungen ja kaum kompliziert sind.

Durchaus kann es aber sein, dass sich diese auch über mehrere Monate hinziehen. Dazu kommt noch, dass nicht alle Delikte angezeigt werden. Schwarzfahren von der VAG in der Regel erst bei mehrmaligem erwischt werden. Auch bei Gewalt in der Partnerschaft oder ähnlichem gibt es eine hohe Dunkelziffer. Dagegen bei Wohnungseinbruch oder ähnlichem wird fast alles angezeigt.

Aber gut, das mit Statistik ist ja schwer und heute haben wir ja den Fall, dass der Freiburger Mietspiegel möglicherweise falsch berechnet ist

Mal schauen.