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Mehr oder weniger CO2 / Stromverbrauch durch Videokonferenzen?

23. April 2020

Kleine Entgegnung auf den Leserbrief von Tja Voigts: https://www.badische-zeitung.de/wir-muessen-alle-massiv-auch-beim-indirekten-stromverbrauch-sparen–184851783.html

Telko

Um den enormen Strombedarf der offline Welt zu verstehen, muß man wissen, dass es auch um den Strombedarf der Benzinherstellung geht. So muß etwa Rohöl auf über 400 Grad erhitzt werden, um die chemischen Prozesse auszulösen, an deren Ende Benzin und Diesel stehen. Das ganze muß transportiert, gepumpt, die Tankstelle muß beleuchtet werden.

Studien kommen auf etwa 6 kWh Strom je Liter Benzin. Daher mit dem Strom, dem man braucht um mit einem Benzinauto 100 km zu fahren, kann man mit einem Elektroauto 50-80 Kilometer weit fahren. (Relativ spannend das etwa hier nachzulesen: https://www.pv-magazine.de/2018/01/29/auch-verbrenner-fahren-mit-strom/ und hier: https://www.springerprofessional.de/elektromobilitaet/dieselmotor/endenergiebezogene-analyse-diesel-versus-elektromobilitaet/16673694).

Rechnen wir das mal um auf einen Arbeitnehmer, der statt ins Büro zu fahren, Homeoffice macht. Bei Büro und Heim ergeben sich keine oder kaum Vernachlässigtere Veränderung, Büro und Heim müßen ja auch geheizt werden, die Schreibtischlampe daheim oder im Büro braucht gleich viel.

per Telko ein PEEP Ventil analysieren, kann man inzeischen machen

Wohnt der Arbeitnehmer in Freiburg und pendelt nach Lörrach mit dem Auto, was ja nicht ungewöhnlich sein dürfte, dann ist das ein Weg 72 km. Hin und zurück 144 km. Nehmen wir ein sehr sparsames Dieselauto an, da 6 l auf 100 km braucht – wir ignorieren mal die Strecke Autobahn — dann kommen wir auf so ca 11 l Kraftstoff für einen Tag pendeln, das wären dann 66 kWh. Bei einer 5 Tage Woche 330 kWh, alleine fürs pendeln.

Wir rechnen auch mal, dass es egal ist ob der PC im Homeoffice steht, daher an ist er eh. Auch laufen in Firma Router und andere Geräte den ganzen Tag. Der Bedarf an Strom für entsprechende sehr starken Server, mit dem Videokonferenzen für eine ganze Schule oder ähnliches durchgeführt werden, dürfte bei 24/7/365 Betrieb laut Dell etwa bei 1600 kWh liegen. Daher verzichtet ein (!) Pendler für 5 Wochen auf die Fahrt nach Lörrach, ist man mit dem Strom fürs ganze Jahr schon draussen.

Betrachten wir mal den CO2 Ausstoß unseres Mitarbeiters: Reißt dieser für ein Meeting mit dem Flugzeug von Basel nach Berlin – im Business Kontext durchaus normal – stößt er laut einschlägiger CO2 Rechner 283 kg CO₂ aus. Läuft der Server nun auf dem Standard Strommix (wohlgemerkt, das ganze Jahr, auch Nachts, am Wochende, Feiertage) erzeugt er: 822 kg CO2. Nach der dritten Reise nach Berlin, hat man also mehr CO2 ausgestossen, als der Serverbetrieb braucht.

Kurzum: So einfach wie man es sich bei 5G Gegnern macht, ist es erstmal nicht. Durch mehr Videokonferenz und weniger Business Trips, mehr Homeoffice und weniger Pendeln, dürfte der CO2 Ausstoß bzw. Energieverbrauch durchaus zurück gehen.

Bürgerversammlung 5G in Freiburg

14. November 2019
Video der gesammten Einwohnerversammlung zu 5G, Quelle Stadt Freiburg. Es lohnt sich das ganze anzuschauen und nicht nur auf die Argumente zu achten, sondern auch auf den Stil.

Nachdem die 5G Gegner in Freiburg genug Unterschriften hatten, mußte die Stadtverwaltung eine Bürgerversammlung durchführen. Allerdings bedeutet es nicht, dass ausschließlich die Antragsteller zu Wort kommen, auch die Stadtverwaltung darf sich äußern.

Das lief dann so: Erst gab es eine Einführung in die 5G Technik, durch Prof. Dr. Karsten Buse, Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM.

Folie von Dr. Karsten Buse, zur Einführung. Ganz deutlich ein Aspekt der mir bisher nicht bekannt war: Durch 5G brauchen wir 1/10 der Energie um die gleiche Datenmenge zu übertragen wie bei LTE. Screenshot aus dem Stream der Stadt Freiburg.

Darauf sprach 35 minuten plus 5 minuten durch Überziehung das Aktionsbündnis „Freiburg 5G-frei“. Für diese zunächst mal Dr. med. Wolf Bergmann, Facharzt für Allgemeinmedizin, der erstmal 4:30 min brauchte um zu begrüßen, sich zu bedanken und auf irgendwelche Termine hinzuweisen. Wolf Bergmann machte in einer etwas schwurbeligen Art und Weise Mobilfunk quasi für alle Krankheiten verantwortlich, bis hin zum Krebs. Außerdem führe er zu mehr Konsum und Stress.

Rhetorisch deutlich besser und klarer, war dann aber Jörn Gutbier, Architekt und Baubiologe, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Stadtrat von Herrenberg und diverser Anti-Handy und Anti-Medien im Unterricht Vereine. Der konnte immerhin klar formulieren und seine Beiträge wurden immer wiever von Applaus unterbrocen und am Ende mit standing ovations bedacht. Ein Großteil des Beitrages waren eigentlich auch eher Suggestivfragen, als Aussagen, was ja recht geschickt gemacht ist. Außerdem zitirte er wohl die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz aus dem Zusammenhang und „kritisierte“ die Zusammensetzung von Gremien, die die Grenzwerte festlegen.

In seiner Einleitung verwies Dr. Karsten Buse auf autonomes Fahren als eine der Anwendungen für 5G und die große Wahrscheinlichkeit, dass dadurch die Unfallzahlen deutlich zurück gehen würden. Überschlägig berechnet, sei dies etwa ein Unfalltoter pro Jahr in Freiburg weniger. Sicherlich hat so eine Rechnung viele fragwürdige Parameter. Krass war aber dann wie Jörn Gutbier das vom Tisch wischte.

Letzer Redner war Tjark Vogts von ISES e.V., er warnte vor dem frühen Mediengebrauch, bezog sich auf Manfred Spitzer (der ja mit seinen Thesen auch hochumstritten ist, um es jetzt mal nett zu formulieren) und die BLIKK Studie. Außerdem kursierten Kinderpornos auf Schülerhandies und Kriegsspiele auf großen Bildschirmen. All das sei ganz schlimm, habe aber jetzt nix direkt mit 5G zu tun.

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