Archive for the ‘Sebastian Müller’ Category

Die Corona App erklärt, im Interview mit dem Freiburger Wochenbericht.

17. Juni 2020

Der Freiburger Wochenbericht hat den Chaos Computer Club zur neuen Corona Warn App der Bundesregierung gefragt, ich habe auch mit viel Input von anderen Menschen im Club versucht die Fragen zu beantworten.

Für einen Laien kurz erklärt, wie funktioniert die neue Corona-App, die eine bessere Nachverfolgung der Infektionsketten möglich machen soll? Was verbirgt sich hinter dem vieldiskutierten „dezentralen Ansatz“?

Mein Smartphone strahlt in Abständen von 2,5 bis fünf Minuten via Bluetooth Low Energy zufällig erzeugte Krypto-Schlüssel aus. Quasi ein sich ständig änderndes verschlüsseltes Autokennzeichen. Andere Handys speichern dieses Kennzeichen und schätzen aufgrund der Signalstärke die ungefähre Entfernung. Werde  ich nun positiv auf eine COVID-19 Erkrankung getestet kann ich diese Information über die App an die anderen Nutzenden weitergeben. Das Handy lädt einmal am Tag die Liste der Corona positiven Kennzeichen herunter und vergleicht selbst ob es in letzter Zeit ein solches Kennzeichen gesehen hat.  Findet es eine solche Übereinstimmung, warnt es mich. Es gibt eben keine zentrale Liste, wer wen gesehen hat. Das Smartphone kann aber nicht wissen ob ich wirklich in Gefahr war oder nicht weil ich z.b. eine Maske trug, durch eine Glasscheibe oder Wand getrennt war, so genau geht es einfach technisch nicht. (Eine gute Visualisierung gibt es bei: https://corona-tracing.cryptool.org/

🍎 Corona Warn App für iPhones 🍎

🤖 Corona Warn App für Android Geräte 🤖

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Neuer Flyer weißt auf Parklet Möglichkeiten hin

12. Juni 2020
Damit die Kneipe auch draußen sein kann. Informationen für Wirte und Gastronomen
neuer Flyer, auch als PDF

Dank des Gemeinderatsbeschlußes, der Parklets erlaubt, gibt es nun in Freiburg einen kleinen Parkletboom. Ich will, dass der nicht nur auf „Im Grün“ oder die Sedantraße beschränkt bleibt, sondern möglichst Wirten, Cafés und Restaurants in der ganzen Stadt zu Gute kommt. Daher gibt es nun einen Flyer um die Menschen darüber zu informiere.

Auch die Blogseite dazu habe ich überarbeitet.

Und es werden immer mehr.

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Corona Solidarität Freiburg übernimmt Corona Rebellen Demos

30. Mai 2020
Corona-Rebellen-Rebellen befragen einen Demoteilnehmer

Auf beiden Corona Rebellen Demos. der von „nicht ohne uns“ / Informationsstelle Demokratischer Wiederstand, die sich inzwischen wegen der Frage des Schwarz-Weiß-Roten-Transpi, das an die Reichskriegsflagge erinnert, gespalten hat und der „Freunde der Freiheit“ Demos, waren jeweils nicht mehr als 100 Leute. Die Stadt war normal voll.

Die Farbkombi kennen wir.

Wieviele gernau da waren bzw. Teil der Demo oder Teil der „Demoübernahme“ durch Corona Solidarität Freiburg, läßt sich auch nicht genau sagen und war Stellenweise nicht auseinanderzuhalten.

An den Aktionen von Corona Solidarität Freiburg dürften sich rund 50 Personen beteiligt haben. Die gingen mit eigenen Schildern auf die Demos der „Corona-Rebellen“ und forderten Solidarität und wandten sich gegen Verschwörungsmythen.

Die Platz der alten Synagoge Leute waren davon irritiert. Die Leute auf dem Münsterplatz waren durch diese Beteiligung, die friedlich verlief und bei der es maximal zu Diksussionen kam, erstmal nicht in der Lage ihre Demo zu starten. Die fing dann trotzdem an. Ich habe nicht so zugehört, es trat ein Arzt auf der irgendwie behauptete Corona sei nicht so gefährlich und ein Herr der in einem wenig strukturieren Beitrag erklärte, die Gegendemo seien Satanisten, Gottlos, wie auch Merkel und irgendwie eine Theokratie forderte.

Sonst waren wieder die üblichen Menschen am Start. Etwa der Betreiber eines Freiburger Telegram Channels, in dem er haufweise rechtsextremes Zeug postet, etwa von der Identitären Bewegung. Inzwischen scheinen neben Menschen aus der rechten Szene in Freiburg auch die 5G-Gegner die Demos für sich gefunden zu haben. Auch sonst scheint die „Abgrenzung gegen Rechts“ auf dem Münsterplatz nicht so recht zu gelingen, auch bei einem Teil der Ordner wurde mir zugetragten, die seien Teil der Szene.

Ich durfte am Rand wieder mit Menschen diskutieren, die mir erklärten, das einem „eine Bank keinen Kredit gibt, wenn man zu der kommt und sagt ich brauche 3 Mio EUR um meinen 80 Jährigen Opa zu retten“ und dass die Volkswirtschaftlichen Schäden ja in keinem Verhältniss mehr zu dem Stünde was man erreicht hätte. Außerdem sei der R Wert ja schon vor den Shut-Down-Maßnahmen unter 1 gewesen und auch mit Shut-Down immer so unter 1 geschwankt, sprich der hätte gar nix gebracht. Das empfand ich als krass Sozialdarwinistisch. Irgendwie ist der Neoliberale Ungeist schon tief eingedrungen.

Unter jedem Pflaster ist ein Strand.

Auf dem PdaS und dem Münsterplatz ist immer weniger los. Wenn man den Berichten glauben schenken mag, dann sind die Organisatoren irgendwas zwischen überfordert und wenig Einsichtig. So richtig scheint das ganze, auch aufgrund der immer weniger krassen Beschränkungen kaum noch zu ziehen.

Hut ab vor den Polizisten (und dem Punk Polizisten) die gleichzeitig zwei Funkkanäle verfolgen. Auf jedem Ohr einer.

Wer sich die ganze Demo anschauen will, der findet beim rechten Kanal „Protest Media“ die ganzen zwei Stunden.

Impfgegner sieht Entwicklung von Impfung gegen Corona skeptisch oder wie die Badische Zeitung Steffen Rabe auf den Leim geht

24. Mai 2020
Seite 2 der Badischen Zeitung vom Freitag 23.5.2020

Am Freitag berichtete die Badische Zeitung über die Herausforderungen bei der Entwicklung eines möglichen Impfstoffs gegen die SARS–Covid–19 Erkrankungen. Das ist ein spanendes Thema und sicherlich angebracht. Ein Übersichtsartikel informiert über die Schwierigkeiten: Virus mutiert, gegen kein Coronaviren gibt es bisher einen Impfstoff, wir wissen nicht wie lange die Imunantwort erhalten bleibt.

Es kommt Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Freiburg zu Wort: „Rund 100 Kandidaten für einen Impfstoff, schätzt der Virologe, werden gegenwärtig entwickelt: „Wenn wir Glück haben und ein guter dabei ist, haben wir in einigen Jahren einen effektiven und sicheren Impfstoff.“

Soweit so gut. Alles ganz stimmig und nichts auszusetzen. Unten dran gibt es dann aber ein Interview mit einem Kinderarzt, nicht irgendein Kinderarzt sonder jemand der vorgestellt wird als: „Impfkritiker“ und „Sprecher des Vorstands im Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung“. Sowohl für Herrn Raabe als auch den Verein gibt es Einträge auf der Anti–Schwurbel oder man sollte besser sagen Anti–Verschwörungsmystiker Website, Psiram:

„Er verharmlost schwere Infektionskrankheiten, wie z.B. die Masern, und betreibt Panikmache vor Nebenwirkungen der Schutzimpfungen. Von wissenschaftlichen Studien, die nachweisen, dass Impfnebenwirkungen äußerst selten sind, behauptet er, diese seien durch die Pharmaindustrie gefälscht und es gebe tatsächlich viel mehr gravierende Nebenwirkungen, eine Aussage, die allerdings epidemiologisch nicht belegt ist. Unter anderem behauptet Rabe, dass Impfungen sogar gefährlich seien, z.B. wegen schädlicher Zusatzstoffe (z.B. Thiomersal könne Autismus verursachen) oder indem er in seiner „Impfaufklärung“ den juristischen Tatbestand der Körperverletzung und Fehlbehandlung im Zusammenhang mit Impfungen aufführt.
Weitere Beispiele sind Behauptungen, wonach Impfungen eine Reihe anderer Krankheiten verursachten, wie z.B. Allergien, Autoimmunerkrankungen oder eine generell verminderten Immunabwehr nach einer Impfung (speziell Masern und HIB). Dabei lässt er unerwähnt, dass in der DDR die Durchimpfungsrate beinahe 100% betrug, die Allergierate hingegen viel niedriger war als in der Bundesrepublik. Eine Tatsache, die sich nicht mit diesen Behauptungen in Einklang bringen lässt.“

Zitat aus Psiram

Nun kann man sich fragen, was ein solcher Akteuer beitragen kann zur Diskusion um einen möglichen Corona Impfstoff. Für Raabe und seinen Verein gibt es im Grunde keinen Impfstoff der sicher ist oder sinnvoll. Ja er propagiert sogar: „Für bestimmten Krankheiten einen „individueller Wert“ für den Betroffenen zugesprochen, vor allem den Masern.“ Jetzt ist eine Masernerkrankung für den betroffenen keine angenehme Sache und hat je nach Studie eine Todesrate von 1:500 bis 1:1000.

Die Bezeichnung Impfkritiker ist in dem Zusammenhang so ein Euphemismus, wie wenn man Lutz Bachmann interviewen würde und mit der Bezeichnung „Migrationskritiger“ einleiten. Soviel fragwürdiges zus Person. Aber nun zum eigentlichen Text:

Zum einen erweckt Steffen Raabe sprachlich den Eindruck er forsche an einem Impfstoff: “Wir forschen aber seit weit mehr als 10 Jahren an derartigen Impfstoffen”. Richtigerweise müßte er sagen: “Virologen und andere Forscher” arbeiten seit Jahren daran. Er als Kinderarzt, der gegen Impfen ist, wohl eher nicht.

Die zweite Aussage ist: „Eine besondere Schwierigkeit ist noch, dass bei einem großen Teil der Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus völlig neue Impfstoff-Technologien verwendet werden, etwa die mRNA-Technologie“. Das ist halb richtig: CEPI zählt 119 Ansätze, die derzeit in der Entwicklung sind. Mit allen möglichen unterschiedlichen Techniken zur Impfstoffentwicklung. Eben nicht nur mRNA.

Richtig absurd werden die Antworten aber, wenn Raabe sagt: “Schon von den konventionellen Impfstoffen auf dem Markt, erzeugt nur ein kleiner Teil Herdenimunität”. Das hat vielleicht mit dem Impfstoff aber sicher auch mit der Impfquote in der Bevölkerung. Es sind ja Ärzte gerade wie er, die die Impfquote niedrig halten, in dem sie Eltern mit Unsicherheiten vom Impfen abraten oder es verzörgern. Wodurch eben die bei den sehr ansteckenden Masern notwendigen 95% nicht erreicht werden.

Auch auf seinem Blog stehen seltsame Dinge, so unterstellt er etwa Herrn Drosten faschistoide Gedanken im Bezug auf die mögliche Corona Warn App. Weil dieser im Podcast ausgeführt habe, man könne diese auch bei einem starken Ausbruch „schärfer Stellen“, so das bereits Menschen die nur Symptome zeigen, aber (noch) nicht getestet wären, ihre Kontakte warenen könnten.

Ich finde Steffen Raabe als kompetenten Interviewpartner ungeignet, Impfablehnung ist sein Buisness und er stellt auch eine Reihe von Behauptungen auf, die meiner Meinung nach zumindest verkürzend, aber eher falsch sind und wird damit nicht konfrontiert oder eingeordnet.

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Übrigens: diese kruden Thesen „an Masern sterben nur 6 Kinder pro Jahr in Deutschland, deshalb braucht man keine Impfpflicht“, sind es mit denen die Leute mit Schwedenfahne auf den Coronarebellen Demos, argumentieren.

Distanz Radar im Europapark

20. Mai 2020

Es erreichte mich und den CCC Freiburg eine Anfrage über eine geplante „Distanz App“ für den Europapark:

„Das Hauptziel der App ist, die Europa-Park Besucher auf spielerische Art daran zu erinnern und zu motivieren, die geltenden Abstandsregelungen (Social Distancing) während des Parkbesuchs einzuhalten (…) Es wird der Bluetooth LE (Low Energy) Standard genutzt. Über die Signalstärke wird die Distanz zu anderen Smartphones gemessen. Jedes Smartphone, auf welchem die App installiert ist, sendet gleichzeitig als iBeacon, und scannt die Umgebung nach anderen Geräten.“

Zitat von der Beschreibung des Distance Radar

Von der Badischen Zeitung wurde der CCC gefragt ob und wie das gehen kann und was wir dazu denken. Als Privatperson habe ich dazu geantwortet: Was muss eine App können, damit sie sinnvoll ist?

Ich weiß persönlich nicht bzw. halte es für zumindest technisch schwierig, über Bluetooth den Abstand zwischen zwei Geräten so genau feststellen zu können, das man anzeigen kann ob jemand mehr oder weniger als 1,5 m entfernt ist. Das könnte vielleicht noch einigermassen gehen zwischen iphones – die haben wahrscheinlich alle den gleichen Bluetooth Chip und Antenne, aber zwischen den unzähligen Android Geräten? Das stelle ich mir schwierig vor. Es müßte quasi jedes Gerät abstrahlen was es für eines ist, also etwa “Iphone 6s+” oder “Redmi Note XY” und dann müßte es eine Datenbank geben, die genau sagt: Dieses Bluetooth ist “laut”, das strahlt immer sehr stark und dieses Bluetooth “flüstert”. 

Wenn man aber die Art des Gerätes abstrahlt, dann hat man schon einiges an Daten, gerade wenn Leute exotische Geräte verwenden. Da ist dann ggf. weniger Anonymität. Möglicherweise haben auch Umgebung (Wände) und die Art des Tragens des Geräts (Körpernah, im Rucksack, Handtasche, …) Auswirkungen auf die Verbreitung und damit “Lautstärke”, weil ja der eigene Körper dämpft. Ggf. auch Unterschied zwischen dicken und dünnen Personen, ggf. muß die App auch unterscheiden können, ob ich etwa Rücken an Rücken getrennt durch eine Wand/Plastikfolie/… sitze oder eng beisammen stehe. Schon allein die Lage des Telefons und damit der Antenne verändert die Empfangsqualität.

Das stelle ich mir schwierig vor. Vielleicht kann man das auch lösen.

Bei Apple Geräten kommt meines wissen noch dazu – daran kranken alle bisherigen Apps – das ich vermute die App im Vordergrund mit Bildschirm an laufen muß, was recht zügig die Batterie leer saugt.

Bei einer Kontaktnachverfolgung gelten die gleichen Probleme wie auch bei der geplannten offiziellen App. Ich muß Datenschutzkonform und anonymisiert nachtvollziehen können, mit wem ich Kontakt hatte, und diese Personen irgendwie kontaktieren können. Damit die offizielle App funktionieren kann braucht sie Zugriff auf bestimmte Features, die Apple – so wie ich das verstehe – nur jeweils einer App pro Land freischalten wird, weil etwa die offizielle App dann auch Dinge festlegen muß wie “Kontaktintensität”, Nähe, …

Ob das ohne Zugriff auf diese speziellen Features geht: Ich wäre da skeptisch. Im Zweifel wickel ich mein Telefon in Alufolie vom Vesperbrot um so das Bluetooth LE zu dämpfen und bin dann weiter weg.

Denken Sie, ein Unternehmen kann es mit einer App wie dieser schaffen, was die Bundesregierung nicht schafft?

Die Tracing App der Bundesregierung soll ja helfen die Arbeit der Gesundheitsämter beim Zurückverfolgen der Kontakte zu vereinfachen. Gerade auch für Zufallskontakte (ÖPNV, Schlange, Supermarkt, …) kann das sicher hilfreich sein, weil ich da ja gar nicht die Leute kenne. 
Die App des Europapark wil ja Menschen helfen Abstand zu halten. Das ist erstmal eine charmante Idee, die ja auch in anderen Situationen hilfreich sein könnte.

Da es schwierig ist entsprechende Apps zu beurteilen, auch weil der Quellcode nicht offen vorliegt, hat der bundesweite CCC zehn
Prüfsteine für eine Contact Tracing Apps aufgestellt:
https://www.ccc.de/de/updates/2020/contact-tracing-requirements

Aus den vom Europa Park bisher veröffentlichenden Infos lässt sich nicht ablesen ob die geplante App diesen Prüfsteinen gerecht wird.